5 Stunden nach Einnahme. Der Rausch hält seine Frisur. Ich verliere langsam mein Feingefühl für Stil und Ethik. Der Schleier wird gelüftet und was sieht man: wie böse und egoistisch und weit weg ich bin. In einem surrealen Comic hätte ich bestimmt ein schwarzes, glattes Gesicht, meine Augen würden unruhig hin-und- herkullern. Ein tuntiger, aggressiver Punk, der darauf wartet, das der Schulleiter zu ihm kommt und sagt: "Hast du gut gemacht! Willst du die nächsten Jahre Beratungslehrer bei uns werden?" -
Vielleicht ein Zwischenfazit: der LSA-Rausch vertieft die Gedanken, während der Körper entspannt: das passt zusammen. Wenn der Körper nicht entspannt ist, produziert er immer nur die selben Gedanken. Vielleicht hat man deshalb das Gefühl, besonders helle zu sein: weil man ein anderes Körpergefühl hat. Es ist ja nicht mehr als ein Werkzeug, ich würde sowas nie benutzen um mir "auf Party eine coole Dröhnung zu geben", wie es die armen Teenager mit Alkohol und Dope machen wollen: diese geschmacklosen, abgeklärten Würstchen. Ich denke immer mehr als ich schreiben kann, und das macht müde, irgendwie funkt immer ein Ich, ein Sterblichkeitsbewusstsein, ein Künstler-Ego, eine Ruhmsucht dazwischen und die Angst mich vor meinen Freunden lächerlich oder widerlich aufzuspielen. Zumindest auf dieser Ebene jetzt kann ich unendlich aufrichtig sein. Ihr könnt gern mit dem Gesicht spielen, das ihr euch gerade von mir vorstellt. Ich sollte mir einfach nehmen was ich will. Solang ich die Kosten tragen kann. Zerstöre jede Kausalität. Hau der Fliege am Fenster eins mit der Zeitung um die Ohren. Spring über eine Pfütze in die nächste. Es ist nicht wichtig, sich zu respektieren. Benutze deinen Körper der Lust wegen, nicht der Zukunft wegen. Das sind alle Bonbons, die ich den Kindern heute geben kann. Aber kommt doch die nächsten Tage nochmal wieder.
Das kräftige Massieren unter den Augen, am Kiefergelenk, zwischen den Schläfen, so ein kräftiger, schläfriger Druck krönt die Nacht. Jetzt, 1:37 kommen keine Gäste mehr und ich schließe mit einem zufriedenen Gesicht und einem Taumeln in der Birne den Laden und bin alles in allem glücklich.
Eben ein Spaziergang im Park. Ein sehr schöner, klarer, kalter Sonntagmorgen. Ruhig und sonnig. Ein Hund an der Leine eines alten Prolls hat wie besessen nach mir gebellt. Vielleicht weil ich komplett rot angezogen war. Fröhliche Vögel singen munter im Himmel. Ich freue mich, Teil ihrer Welt zu sein, ich freue mich über ihre Lebendigkeit, darüber dass sie ihr eigenes Leben mit ihren eigenen Regeln, Bedürfnissen, Nöten haben. Jetzt beim Schreiben fühle ich mich von meinem Tod beobachtet, der sehr geduldige, milde Augen hat. Keinesfalls schadenfroh oder bösartig oder gierig, er ist einfach nur da und wartet bis er an der Reihe ist - unsichtbar und distanziert, wie jemand mit dem ich bald befreundet sein kann. Ich geh durch meine Wohnung. Die Unordnung hat nichts mit mir zu tun, sie sagt nur, dass es Wichtigeres in meinem Leben gibt und das ist schon alles. Zum ersten Mal spüre ich so richtig, dass die Leute, deren Portraits an der Wand hängen (Nietzsche, Cioran, Burroughs, P-Orridge, Brötzmann, Morrissey, Brecht), eigentlich auch nichts mit mir zu tun haben. Sie sind weit weg - "für mich sind sie tot, weil sie nie mit mir reden können, weil ich sie nie anfassen werde".... Und genau deshalb bin ich frei, genau deshalb lohnt es sich überhaupt etwas zu schreiben. Ich spüre meine Aufgabe am Horizont, ich weiß, dass ich sie um so besser bewältigen kann je näher ich ihr komme. Ich bin fest in die Ereignisse eingebunden, es gibt kein Entrinnen, ich hab Sonnenschein in meinem Bauch und schlafe ein.
Das Leben ist eine Casting-Show und Drogen sind die Jury. Unsere Gehirne sind Spiele und mit jedem intensiven Drogenkonsum beginnt ein neues Level: heute hatte ich mir einen 10g-Prunkweide-Samen-Kaltwasserentzug (diesmal nur mittelstarke Übelkeit ohne Kotzen, verging nach etwa einer Stunde) und eine THC-Dampfkammer zum Mittag gemacht. Das stramme Durchkämmen des Gehirns ist toll. Das LSA wird vom THC munter ins Gehirn geknetet und AfroBeat, AfroBeat, AfroBeat. Habe lang nicht mehr geschrieben, weil ich das Kraut in meinem Kopf ein bisschen ziehen lassen wollte. Die leichte Sedierung ist nur ein Kissen, man muss nicht drauf sitzen bleiben, man kann alles damit machen. Psychedelischer Tunnelblick. Die Farben sind sehr dunkel, matt und aufdringlich. Die Musik ein bunter, sprudelnder Brunnen, der in eine andere Zeit plätschert.