2016. Das Jahr ist weit offen. Es erwartet meine Stiche.
Wie intensiv kann man seine Nichtigkeit unter die Lupe nehmen?
Aufgeblasene Ziellosigkeit.
Es wäre toll, wenn meine Müdigkeit wie eine Faust in den Gesichtern derer landet, die etwas aus mir machen wollen, all die greifbaren, unergründlichen Menschen dieser Stadt, sie wollen mich fassen, herausfinden, was ich bin, ein Verlag will Substanz, ein Buch muss sich um etwas drehen, einen roten Faden haben, der Autor muss ein konkretes Gesicht machen und konkrete Dinge vorhaben und konkrete Absichten mitteilen. Überzeugungen, Profile, Ausrufezeichen.
Ich bin noch gut aufgehoben hier, ich kann mich wirklich entspannen. Ich habe mir vorgenommen, eine Band zu finden und ich habe in kürzester Zeit eine gefunden. Je fröhlicher und entspannter man ist, desto neugieriger und schöpferischer kann man sein. Je mehr Freunde ich habe, desto mehr Energie hab ich. Alles muss ganz ganz langsam und genau und so lustvoll wie nur möglich durchgezogen werden, alles Weitere wird sich daraus ergeben. Niemand muss hier irgendwas glauben, es reicht, wenn er fröhlich zur Seite knixcxt und sieben große Farbeimer umstößt und so die Flagge seiner psychedelischen Erweiterung auf dem Marktplatz hinterlässt. Schau nur, wie sie sich in dicken, cremig-leuchtenden Farben über die grauen, regennassen Bordsteine wälzt.
Panik ist grün - Liebe ist violett
Freiheit ist weiß - Erde ist schwarz
Himmel ist blau - Sonne ist orange
das Gehirn ist rot und ich weiß nicht, ob ich es schon aussprechen kann...
In der Nacht, in der wir das erste Mal zusammen Musik gemacht haben, in unendlich klarem Cannabis-DXM-Rausch, in unserem Bunker am Rand der Stadt, ist Roger Willemsen gestorben. Ich bin sehr sehr traurig. Ihm wollte ich dieses Buch widmen. Sein Name sollte im Titel stehen: "Blumen und Löcher zur guten Besserung für Roger Willemsen". Ich wollte uns verknoten, ich wollte ihn ermutigen, sein Konzept einer Talkshow umzusetzen, in der die Gäste sich cannabisieren. In all den Interviews, die er gegeben hat, empfand ich ihn als Mentor und ich war so sicher, dass er mein Buch lesen wird. Er war der letzte Mensch, von dem ich mich hätte führen lassen. Jetzt bleibt mir nur zu akzeptieren, dass ich alles allein machen muss. Ich kann mich auch an Leuten aus der näheren Umgebung festhalten. Roger, du bist jetzt zu tot, jetzt wird es erstmal nichts mehr, verdammt lange werden wir uns nicht mehr wiedersehen. Ich kann es nicht glauben, dass ich dich niemals treffen werde.
Ich liebe es in der grellen, unendlichen Einsamkeit dieses Blogs meine um sich selbst kreisende Manie zu parken. Erfurt wollte mich heute nicht haben, meine Küche wollte mich heute nicht haben - erst am Abend, als mir jemand eine Blume angeboten hat, sah ich wieder die Sterne, spürte den freundlichen Wind, die dicke, ereignislose, dunkle Gemütlichkeit, trostlose Gemütlichkeit dieser Stadt, dieser fragmentierten Stadt in diesem zitternden Land auf diesem düsteren Kontinent. Ich
drehe mich im Kreis, unter bleichem Konfetti-Regen, auf einem Staubsaugervertreter-Kongress in der Thüringer Provinz. Ich werde das Konfetti anschließend zusammenkehren, aber lass uns noch ein bisschen im Kreis drehen, lieber Leser, lass uns noch ein bisschen die Blumen gießen, noch ein bisschen im Stroh herumkokeln, besoffen Aquarien umschmeißen und auf den Fischen ausrutschen, die Treppe heruntergeschubst werden, schallendes Gelächter stürzt in einen Müllkontainer voller Fragezeichen.
Der Tod von Roger Willemsen muss unbedingt etwas in mir bewirken! Ich darf mich dagegen nicht verschließen.
Ich sitze an der Bar und höre den routinierten Melancholien des Jazz-Pianisten zu. Ich bin hier nicht mehr sicher, denke ich mir, bezahle meinen Martini, mein Nacken ist steif, ich hoffe ich erwische ein Taxi, es regnet, ich will in diese trashige Schwulenbar, ich fühl mich wie eine Heuschrecke, wenn ich vom Sicherheitsmann abgetastet werde. Drinnen finde ich niemanden, mit dem ich reden kann. Auf dem Heimweg stell ich mir vor, wie jemand ganz aufrichtig eine Rote Fahne im Stadtzentrum hisst, eine echte Rote Fahne, die die Vertriebenen und Ausgestoßenen und Verlorenen und Verbogenen unter sich versammelt, ohne etwas zu fordern oder zu versprechen. Das pure, ehrliche Flattern der Roten Fahne.
Demonstrationen sind Theaterveranstaltungen. Kaltes, ehrliches Sozialdrama. Wir wollen das mögliche! Wir sind nicht überzeugt, wir sind manisch! Irgendwann werden wir deine aufrichtige Sympathie nötig haben! Bitte lass uns nicht im Stich!
Wir müssen uns aufladen!
Ich rotze einen dunkelgrünen Fladen auf deine dreckige Windschutzscheibe und du lachst einfach nur drauf los, drehst dich dann aber ganz panisch auf der Suche nach dem Gurt wild hin und her und bald darauf lachst du wieder und erinnerst dich, dass du ja noch gar nicht losgefahren bist. Ich gehe weiter und du fragst dich: "Wer war der Typ, der mir grad auf die Scheibe gerotzt hat? Ich glaube, ich empöre mich bald."
David Bowie und Roger Willemsen und Achim Menzel sind alle so kurz hintereinander gestorben, alle haben mich gleichermaßen geprägt. Ich wünschte, es gäbe eine Verbindung zwischen ihnen und mir. Ich wünschte, die ganze Menschheit wäre miteinander verbunden wie man in einem Dorf miteinander verbunden ist, dann nämlich hat man endlich die Chance, genau diejenigen zu finden, die man für seine Vorhaben nötig hat. Man findet genau die richtigen Freunde oder Komplizen und kein Potential bleibt ungenutzt. Isolation macht dick und dumm und faul und fanatisch. Soziale Ausgrenzung ist extrem gefährlich für uns alle. Ausgegrenzte Menschen radikalisieren sich. Armut und schlechte Schulen
und schlechte Popmusik verderben ihre Nerven und lenken sie ab von einem stabilen, strahlenden, interkulturellen, aufgeklärten Europa der gemütlichen Wissenschaften und widerspenstigen Künste. Wir haben Platz genug, wir haben immer genug Arbeit, weil wir immer genug Probleme haben. Mein Gehirn ist ein grüner Kristall, der mit dem Internet verbunden ist. Gäbe es keine Metaebenen, würde mein Körper nach innen stürzen. Ich reibe meine Augen und geh mal schauen, was es im Kaufland so zu kaufen gibt. Speiseland. Verdauungsland. Juckanfallland. Berührungsland. Epilepsie-Tabletten-Land, he touched me and I see the sun. Wir müssen alles viel viel viel einfacher machen, damit wir noch viel viel viel energischer vorgehen können. Bestimmte Sachen sind so dringlich, die darf man nicht zu sehr verzieren und relativieren. Manchmal braucht es Dampfwalzen.
eines tages, wenn ich meinen metaphern glauben kann,
werfen wir unseren ganzen kram aus dem fenster.
wir leben berauscht für den nüchternen in uns.
wir legen spuren, justieren regler, warten ab. justieren nach.
kratzen uns am kopf,
es gibt nichts besseres als während einer grundlosen euphorie
den kopf zu verlieren, vom rechten weg abzukommen.
es gibt nichts besseres mehr zu tun für dich.
ÜBER:BLUMEN
Der Genuss von THC führt unter Umständen, die näher zu untersuchen sind, dazu, dass konservative Werte ihren Reiz verlieren. Wenn der Konservative an der Macht bleiben will, muss er unbedingt dafür sorgen, dass Cannabis illegal bleibt.
Konservative können nicht lieben, so wie Primzahlen nicht durch andere Zahlen als 1 und sich selbst teilbar sind. Ein Konservativer mit Herz ist auf dem absteigenden Ast. Konservative haben kalte Hände, trauen ihren Gefühlen nicht, sind auf Stunk aus und wollen, dass alle Menschen der Welt genau das gleiche machen. Sie sind geborene Beamte, Buchhalter, Petzen, Henker. Sympathien für Konservative sind ebenso bedenklich wie Sympathien für Kannibalen. Instinktiv lehne ich fast alles ab, was Konservative schätzen. Diese Gegenabhängigkeit ist widerlich, die Konservativen haben mich voll im Griff. Was ihnen Spaß macht, macht mir keinen Spaß, sie machen mich irgendwann depressiv, weil sie alles kaputt machen, was mich bei Laune hält. Deshalb kann ich auch sehr gut damit leben, dass sie Cannabis nicht legalisieren wollen. Ich sehe bestimmt gerade so aus, als würde man mir Stinkekäse unter die Nase halten, aber im tiefsten Inneren bin ich glücklich, d.h. ich genieße die Anspannung, die das Leben bedeutet.
Gras ist verboten, weil es paranoid machen kann, sagen sie. Aber wäre es nicht verboten, würden viele Konsumenten gar nicht erst paranoid werden. Die Polizei sieht alles und weiß alles. Sobald man sich außerhalb der Gesetze bewegt, ticken die Uhren anders. Eine Entkriminalisierung der Droge würde auch große Teile ihrer Gefahren auf die Psyche verschwinden lassen. Es bleibt überhaupt noch zu fragen, ob das, was Mediziner heute unter Gefahren verstehen, in einer anderen, besser funktionierenden Gesellschaft nicht eher Chancen, Werkzeuge oder einfach Charakterzüge sind, und ob bestimmte Symptome von Dauerkonsumenten wie Angst, Isolation, Wahnvorstellungen in einer anderen Gesellschaft gar nicht auftauchen würden. Es gibt interessante Experimente mit Ratten, die auf Suchtmittel verzichten, wenn sie sich in einem besonders schönen, artgebrechten Gehege befinden. Wichtig ist klarzustellen: wer die Drogenpolitik liberalisiert, verändert die Gesellschaft. Junkies sind auf jeden Fall Subversive, Systemkritiker, vielleicht Propheten einer neuen Zeit, vielleicht nur Symptome einer untergehenden Ära.
Es gibt viele Vorurteile und Vorurteile sind zum Überwinden da. Cannabis macht nicht glücklich, bloß dem Glücklichen sein Glück bewusster, wenn die Unsicherheit darüber, ob er sich des Lebens freuen kann oder nicht, verschwinden. Natürlich kannst du dich freuen: du bist gesund und hast was zu tun und steckst in keiner Zwickmühle und hast wirklich keine Eile damit, dich auszuleben. Cannabis macht nicht faul, bloß für Gründe empfänglich, nichts zu tun. "Die Entspannung ist angebracht, weil mein Leben schön ist!", flüstert sich der fröhliche Grasraucher auf der Hängematte in den Mittagsschlaf. Wenn es wirklich noch etwas zu tun gäbe, würde das Kraut ihn nicht davon abhalten können. Mancher Irrenarzt behauptet das jedoch, offensichtlich aus Mangel an Erfahrung oder aus purer Bosheit. Bewusst angewand hilft Cannabis, Ordnung und Struktur zu finden und Gewohnheiten zu ändern und damit sich selbst. "It takes a lot of time, to push away all the nonsense!": David Byrne hat es geschafft und ich hab es auch geschafft, aber du schaffst es nicht, wenn du immer noch an dich selbst glaubst!
Die Blume leuchtet und der Himmel verdunkelt sich. Diese entsetzliche Schlaflosigkeit, die seit Jahren jedwede Tagesstruktur von mir fern hält, dieser Nihilismus, den grelle Nächte in meine Knochen steckten, kann ich mit Cannabis abfedern.
Schönheit kann es nur im Rückblick geben. Man kann unmöglich in etwas Schönes hier und jetzt eintauchen, man kann sich im Rückblick nur wünschen, dass man in sie eingetaucht wäre. Diese Reue macht sentimental und die Sentimentalität lädt die Vergangenheit mit positiven Schwingungen auf und deshalb erscheint sie wert, erzählt zu werden. Als Erwachsner könnte man nur Schönheit empfinden, wenn man vergisst, dass man ein Erwachsener ist, doch man kann es nicht vergessen, man kann sich nur vorstellen, was man als Kind empfunden hätte. Cannabis könnte helfen kurzfristig "mit Leib und Seele" zu vergessen, dass man kein Kind mehr ist.
Das Selbst steht der Selbstwahrnehmung im Weg. Deswegen verändert die Vorstellung, wie der Rausch von außen aussieht, den Rausch. Lass die jungen Schwäne in den warmen Sonnenuntergang schwimmen. Man muss sich gegen die Zukunft abschotten und auch gegen die Vergangenheit, denn ich habe manchmal das Gefühl, so zu reden und zu gucken wie meine Mutter. Wir müssen alles tun, was gut für mich ist. Das Schreiben ist, als läge ich auf der Hängematte und ließ die Füße zappeln, das Schreiben findet ganz weit unter mir statt und sobald ich mit schreiben aufhöre, fängt der Text an, sich von mir zu distanzieren. Ich schicke lange, stabile Sätze an den Horizont, ich sehe sie in Zeitlupe an der Zimmertür abprallen. Ich mag es, dass das Zimmer so hell ist, es gibt mir das Gefühl, in Sicherheit zu sein.
Die Sensibilisierung unter Cannabis macht das Gehirn vielleicht verwundbarer - was aber kein Einwand gegen Cannabis, sondern gegen das Gehirn wäre.
Es stehen große Veränderungen bevor. Im Cannabis-Taumel gelange ich scheinbar zum grundlegenden Taumel meines Existierens, ein weiches, träumerisches, hypersensibles Taumeln.
Je tiefer die Narben sind, die unsere Paranoide Revolution unserem Heimatland zufügt, desto stabiler, weil unbestechlicher und enttäuschungsfester kann Europa werden.
Heißt es, meine Erlebnisse "auf" oder "unter" Cannabis haben mich stärker geprägt als mein tägliches Umfeld, zum Vorteil aller?
´THC wirft das Gehirn in den Zustand zurück, in dem man war, bevor man verstanden hat, welche Funktion das Ich-Modell hat. Mit meinem rechten Zeigefinger kann ich meinen ganzen Körper zum Schwanken bringen.
Das, was der Rausch offenlegt, kann schriftlich nur komprimiert und konserviert werden, wenn das Schreiben dem Rausch auch standhalten kann. Deshalb üben, üben, üben!
Unter Cannabis ist man so wie man wäre, würde man seine Selbstgespräche und Gedichte und Bekenntnisse wirklich ernst nehmen würde.
Unter Cannabis nimmt man die Worte ernster - zum Nachteil der Worte.
Jedes Lied klingt so, als würde es den Moment untermalen, bevor ich von der Polizei angegriffen werde. Ich versuche mein Diktiergerät zu erwischen, bevor alles aus ist. Ich weiß, dass mir nichts passieren kann. Das hier ist kein Traum. Fühl ich mich grad, als würde sich jemand anschleichen? Würde ich mich
erschrecken, wenn ich jetzt von irgendwem überwältigt werden würde? Bodenlose Aufregung.
Dumme Kiffer können sich, wenn sie berauscht sind, über ihre Dummheit nicht mehr hinwegtäuschen und es gibt nichts, was sie dagegen tun können, und wenn sie Glück haben zwingt sie jemand, mit dem Kiffen aufzuhören und ihr Leben auf die Reihe zu kriegen.
Wenn man ein echtes Problem hat, sollte man Cannabis rauchen und herauszufinden, ob das Problem behoben werden sollte oder nicht.
Bekifft sein heißt, eine Negativversion eines Schlafwandlers zu sein: du wachschlummerst. Du bist ein Träumender in einer Wachwelt, während du im gewöhnlichen Traum ein Träumender in einer Traumwelt bist.
Cannabis ist die beste Medizin für Nichtsnutze, denn die halten es bei sich am besten aus, wenn sie psychedelisch erweitert sind. Cannabis löst den depressiven Charakter der Langeweile auf und lässt die Welt wie nach einem schäumenden Gewitter in frischem Licht erstrahlen, Selbsterkenntnis zum Discounterpreis. Meine Mutti macht sich bestimmt Sorgen. Cannabis ist die beste Medizin für Leute, die plötzlich alles hinter sich lassen im Augenblick, wo sie bei Rot über die Ampel gehen.
Es ist davon abzuraten, Cannabis zu benutzen, um Depressionen loszuwerden. Es ist auch nicht ratsam, morgens Kaffee zu trinken, um wach zu werden. Es ist auch nicht ratsam, sich zu verlieben oder Free Jazz zu mögen. Ratsam ist, ein kluger, bescheidener, demütiger Arbeiter zu sein, strikt die Gesetze zu befolgen und sich immer die Schuhe auszuziehen, wenn man zu Besuch ist und Zähneputzen niemals vergessen und nie etwas riskieren, denn es steht sehr viel auf dem Spiel! Das sind die Werte, in die der Gesellschaftsvertrag getränkt ist, den wir mit unserem ersten Schrei im Krankenhaus unterzeichnet haben. Cannabis ist eine Pflanze, die langsam und wirr macht, sie weicht die Grenzen deiner Persönlichkeit ein. Wenn du nicht depressiv bist, will sie dich manisch machen, wenn du übermäßig viel rauchst und dann plötzlich an nix mehr rankommst, weil die Stadt grad trocken oder dein Konto leer ist oder du einfach keine Lust mehr darauf hast, weil du mit der Überempfindlichkeit nichts anfangen kannst oder glaubst, abzustumpfen, kann es passieren dass du ein paar Tage durchhängst. Wir befinden uns im Dampf- maschinenzeitalter und müssen unsere Kinder darauf abrichten, stundenlang an einem Fließband zu stehen.
Manchmal lädt Cannabis bloß Nebensächlichkeiten oder Langweiligkeiten mit Brisanz auf, statt wie oft behauptet wird, das allgemeine Erkenntnisvermögen zu steigern. Manchmal glauben wir tief in einer wahren Empfindung zu verschwin- den, manchmal gehen wir nur einem sentimentalen Klischee auf den Leim.
Ich kenne so viele, die Gras nicht vertragen, besonders jüngere, die den ganzen Tag nichts machen und Trap hören und sich in der Nase popeln und ein Selfie davon machen und bei Instagram hochladen, gute, wunderbar entspannte, selbstreflektierte, sexy Jungs, die einfach ein bisschen in der Hängematte des Staates baumeln wollen und damit den anerzogenen Leistungsdruck aus den Knochen sich meditieren, womit sich im Frühling, wenn die alten Kräfte wiederhergestellt sind, neue Möglichkeiten eröffnen. "You can never hold back spring", singt Tom Waits, hellgoldnes Regenwasser fließt in fröhlichen Strömen aus meiner großen, schweren Gießkanne, während schwarze Hubschrauber über mir ihre hektischen Kreise ziehen, in deren stromschnellenartigen Melodie ich mich verfange, die mein Herzrasen unter diese Worte knüpft wie unter einen Teppich aus Geräusch und Zeit, eine warme Decke, die mein elektrisches Gehirn umwickelt. - "Das ist aber wenig!", sagt die Reporterin und hält mir ein Mikrophon hin: "Ja, das stimmt, Minimalismus war noch nie eine Schwäche von mir."
Sei den ganzen Tag unter THC-Einfluss und schlafe unter THC-Einfluss ein und wenn du aufwachst gleich wieder. Wenn du es lang genug machst, vergisst dein Gehirn, wie die nüchterne Realität aussieht. Lässt du dann plötzlich die Substanz weg, wirst du einen fürchterlichen, suizidalen Kater erleiden, der dich ein für alle Mal mit den Elenden der ganzen Welt solidarisieren will, wenn du dein Ego vollständig ausmerzt und dir neue Freunde suchst.. Man rutscht lustig vom Sofa. Man verfolgt verschwommenen Blickes den nebensächlichen Alltag und gähnt Flüche. Außerstande, in dieser Stadt Fuß zu fassen, wie auch in der Sprache nicht. Die Unfähigkeit, etwas als selbstverständlich hinzunehmen, hat etwas mit der Frage zu tun, wann der IS an Atomwaffen kommt oder ob das was mit dem Kuss wird, dem ich immer wieder ausweiche.
Charles Manson erkannte die Gefahren des LSD: die Morde der Family waren sein avantgardistisches Statement zur Drogenkultur der 60er Jahre. Er wollte die Leute warnen, dass ein Horrortrip böse Folgen haben kann. Wir können ihm seine Mittel vorwerfen, nicht seine Botschaft. Es ist gut, dass ab und an Psychopathen auftauchen, um auf Probleme hinzuweisen. Solang es möglich ist, Psychopath zu sein, ist dieser Staat nicht optimal justiert. Die Krankheit eines Einzelnen ist immer auch die Krankheit der ganzen Menschheit.
Cannabis polstert ganz einfach den Widerstand gegen die herrschenden Verhältnisse und der herrschende Geschmack deutet diese Einfachheit als Einwand, wir aber, die wir uns wirklich weit aus dem Fenster unserer Personalidentität gelehnt haben, wir sehen in der Einfachheit eine zusätzliche Ermutigung, es zu versuchen. Es ist ganz einfach: nimm soviel du ertragen kannst. Hier, wo sich Euphorie und Entsetzen haarscharf gegenüberstehen, wo es keine Klischees mehr gibt, keine eindeutigen Absichten, keine Wackelpudding- Zuversicht und keine Sichtbeton-Trübsal.
So manisch ich auch bin, die Schattenseite werde ich nie los: den Nihilismus, den schlaflose Nächte bringen, eine schwarzgefiederte, Bordstein-schwere Depression klingt in der Luft und wenn man es sich recht überlegt, ist sie, wenn sich die Verhältnisse nicht grundlegend ändern, absolut angebracht. Cannabis ändert alles. Cannabis macht sensibel, albern und optimistisch, es öffnet und entspannt und verbindet. Der Alltag des Schlaflosen ohne Cannabis dann: trostlose Wüste, geistige Leere, Ekel vor Menschen, Ekel vor Bewegung, Ekel vor Zufriedenheit. Ein dreckiger Anarchist schreit "Alles anhalten, alles runterfahren, alles neuorganisieren. Stop stop stop!!!" und ein dreckiger Sozialdemokrat klärt auf: "Es müssen letztlich nur ein paar Gesetze geändert werden, dann können wir den Armen mehr Geld geben, dann wird die soziale Ausgrenzung beendet und die Menschen können es sich leisten, solidarisch zu sein mit den Elenden der ganzen Welt. Wir müssen als Menschheit zusammenrücken." Das bürgerliche Ich muss abgeschafft werden! Alle Ideale müssen peinlich genau auseinandergenommen werden. "Deutschland, du mieses Stück Scheiße!", ruft der dreckige Anarchist. Mein Fuß ist eingeschlafen, aber ich stimme ihm zu.
Ich habe herausgefunden, dass Cannabis helfen kann, Lebensmüdigkeit zu überwinden. Immerhin ist dem Konsumenten ein High wichtiger als zu sterben, und das ist doch was! - Der Preis ist jedoch dreierlei: zum einen entwickelt man eine Sucht, zum anderen wird man spiritueller, und zuletzt dissoziiert man immer häufiger, man verliert die Konturen der bisherigen Persönlichkeit, geht sich selbst verlustig und wird endlich frei zu tun, was zu tun ist: Rauschgift kaufen. Ein Schlamassel, den man ertragen kann, wenn man zu allem eine Distanz hält und nicht wirklich an etwas glaubt, sondern einfach nur so tut, als könnte es wahr sein. Und ein paar gute Freunde sind wichtig. Und Mundwasser.
Cannabis ist die beste Medizin für Nichtsnutze, denn die halten es bei sich am besten aus, wenn sie psychedelisch erweitert sind. Cannabis löst den depressiven Charakter der Langeweile auf und lässt die Welt wie nach einem schäumenden Gewitter in frischem Licht erstrahlen, Selbsterkenntnis zum Discounterpreis. Meine Mutti macht sich bestimmt Sorgen. Cannabis ist die beste Medizin für Leute, die plötzlich alles hinter sich lassen im Augenblick, wo sie bei Rot über die Ampel gehen.
Die Blume blüht und ich bin hier und das Nichts zieht sich immer fester um diesen Roman, das Nichts ist der böse Zauberer in dieser Geschichte. Und welchen Protagonisten könnte ich ihm entgegensetzen? Demien, den Blumenpflücker.
Dies ist also der Blumenstrauß, den ich in freundlicher Anerkennung meiner apokalyptischen Krise gepflückt habe. Ich habe es die letzte Woche ausprobiert: wenn ich nicht mehr schreibe, rutsche ich vollständig ab. Ich muss mich hier irgendwie festhalten. Das ist das Aufrichtigste, was ich vielleicht jemals gesagt haben werde. Der Psychotiker (der von Überempfindlichkeit und Phantasie Überwältigte) könnte die Welt, die er unter Einwirkung dieser Krankheit erlebt,
bewohnbar machen, sie könnte den Rahmen, die Grundlage gar für viele Abenteuer und Kunstwerke bilden. Deshalb wird uns über kurz oder lang auch die Gründung einer psychedelischen Partei als notwendig erscheinen, die das Loch, dass der Skeptizismus in die Dinge gefressen hat, wie Butter in der Pfanne zergehen lässt, die Menschen eint in dionysischen Feiermonaten, die Maschine radikal runterfahren lässt, die Gesellschaften zur Ruhe kommen lässt. Ein Hausmeister steht, mit dem triefenden Mob in der einen Hand, die andere in seine Hüfte geklemmt, am Ende dieses Textes, riecht nach Dosenfisch und Bier und fragt sich, wie lang das hier noch geht.