Meta-Menschheit

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Ich setze mich in die weichen Diesteln, sie tun nicht weh, sie sind dunkelgrün und ich kotze all meine Eigenschaften aus. All meine dunkelgrünen, langsamen, bärtigen Eigenschaften, die Tastatur ist ein Pferd, mit einem optimistischen Gunter-Dueck-Gesicht und die Luft ist sehr freundlich und nass und flimmert zum Abend, ich möchte abschreiben, was ich empfinde, ich drücke auf Knöpfe, während ich etwas empfinde. Alllllles leuchtet in sattem Kühlschrankgrüngelb, ich bin ein in Entspannung erhaben gewordener Jogurt. Es ist ein regnerischer Tag. Ich möchte etwas aufscharren, ich möchte schwarze Energie aufsparen, nehmt mich ernst, ich kann zaubern! Was tu ich hier? Nichts, was ich mache ist wirklich nötig. Endlos klebriger Tag. Hinter meiner Stirn wartet eine dunkle Kraft darauf, dass sich das THC ins DXM hakt.

Alle Menschen müssen auf Augenhöhe miteinander reden. Die ganze Menschheit muss miteinander reden und ein kollektives Sprachzentrum bilden, die Hauptzentrale der Menschheit, das, was die Menschheit auf die Metaebene bringt: alle Menschen sind an einem bestimmten Tag gemeinsam wach, alle virtuell verbunden zu einem Meta-Hirn, in der alle Menschen direkt spürbar auf alles andere Einfluss haben, so als befände sich dieses Meta-Hirn im Kopf des Menschen an sich, der gerade luzide träumt. Eine virtuelle Parallelwelt, eine interaktive Oberfläche, eine digitale Traumwelt.

Es ist ganz einfach, utopisch zu sein: lehn dich so weit aus dem Fenster, wie du fröhlich sein kannst! Ich möchte echte Menschen, die an die bestmögliche Welt glauben und ich will sie jetzt! Ich hab all die miesgelaunten Besserwisser satt, die nur im Weg stehen, wenn es wirklich was zu tun gibt, all die tranigen, pflichtbewussten Kleingärtner und Prügelknaben, all die frommen Schwestern und fleißigen Metzger. Wenn man in einer anderen, schöneren Welt leben will, muss man fröhlich bleiben und so mutig sein wie man nur kann, alles andere macht müde. Das einzige Problem ist, das so gut wie alle Menschen nicht akzeptieren können, dass es so einfach ist: wir sind nicht gewohnt, das etwas so einfach ist. Vielleicht kann ich nur daran erinnern, dass die Einfachheit der Lösung ein Problem ist, dem man sich stellen muss, und zwar so klug wie möglich, das bedeutet: einfach aufhören mit allem, was man nicht versteht und zu allererst: aufhören, an ein klares Ich zu glauben, einfach so tun als gäbe es noch keine absolute Wahrheit und aufatmen: wenn alle Menschen das zur gleichen Zeit tun könnten, wenn wir uns alle schweigend gegenübersitzen könnten. Dieser Moment, an dem die Menschheit als überindividueller Organismus zum ersten Mal eine gemütliche Sitzposition erreicht hat und alle fröhlich und gebildet und gesund und ausgeglichen sind und sich in die Augen sehen und zu einer gemeinsamen Atemfrequenz finden - vielleicht noch unterstützt von Psychedelika - das wäre der Moment, an dem die Menschheit zu sich selbst gefunden hat wie das Kind, das sich zum ersten Mal im Spiegel erkennt, dieser Moment ist meine Utopie und als Unpatriotischer Europäer Für Die Metahumanisierung des Morgen- und Abendlandes stehe ich hier vor Euch und fordere alle Menschen auf, sich zu dissoziieren. Nehmt alle Kunst, die Euer Expandieren stimuliert, nehmt alle Drogen die Euch sensibilisieren, tut den ganzen Tag nichts Anderes als Metaebenen zu bauen. Schließ dich in ein Kloster ein, süßer Freund, oder rede zu allen Menschen. Jeder Kompromiss bringt dich nur näher ins Kloster. Erst wenn du zu allen redest und erst wenn dir alle zuhören, hast du dich wirklich zu Gehör gebracht. Alle Kinder müssen unter gleich-guten Bedingungen geboren werden, damit fängt es an. Dann müssen sie eine gleich-gute Kindheit gehabt haben und gleich-gute Schulen besucht haben. Schlechte Lehrer sollte man auf jeden Fall mit Software austauschen! Ich kann mir Hauptschüler denken, die von einem Film wie Club der Toten Dichter (Englisch mit Untertitel) mehr haben als von einem Jahr Englisch und Deutsch zusammen. Alle Begleitumstände müssen ausnahmslos fröhlicher Natur sein: begeisterte, empathische Lehrer, freundliche, zarte Behörden, ein milder, fürsorglicher Staat: wir passen auf alle auf! Wir sind für alle da! Dieser Staat kann nur eine weltweite Wertegemeinschaft sein, die das Betriebssystem für sich selbst als digitale Metamenschheit programmiert und regelmäßig updatet. Eine Open-Source-Gesellschaft, radikal ökologisch, radikal multikulturell, radikal sanft und fröhlich als echte Gemeinschaft aller Menschen. Jedem Menschen muss es dann möglich sein, jederzeit überall hinreisen und in jeder Stadt kostenfrei, gemütlich und sicher wohnen zu können. Die ganze Menschheit stets und ständig unterwegs, um den Planeten zu erfahren. Ein globales Dorf. Keine Seuchen mehr, keine Vermögensungerechtigkeit, Wohnen und Ernährung und Gesundheit und Bildung und Beförderung sind für alle kostenlos nutzbar, alles Nötige gehört der öffentlichen Hand; auch das bedeutet: zum ersten Mal hat sich die Menschheit hier selbst in der Hand. Es muss nochmal gründlich neu definiert werden, was schädlich ist und als Verbrechen bekämpft werden soll. Wie geht man in einer schönen Welt mit Leuten um, die hässliche Dinge getan haben? Denkbar wäre eine rechtlose Gesellschaft auf einer großen Insel im Pazifik, es gibt keine Waffen, keine Polizei, keine Rechtsprechung, dafür aber heilige Peyote-Zeremonien, geleitet von Hologramm-Schamanen, die den Verbrechern immer wieder von Neuem die Chance geben, sich psychedelisch zu erneuern. Am Rand der Insel könnte es eine Art unrechtsfreien Raum geben, wo Verbrecher ihre Rehabilitation in die freie, gemütliche Zivilisation beantragen können. Neurologen werden in Zukunft viel genauer das Gewaltpotential eines Menschen berechnen können. In einer so gemütlichen Welt wie ich sie will, sollte es eigentlich keinen Grund geben, ein Verbrechen zu begehen, wer es dennoch begeht, muss mit psychedelischem Zwangsurlaub und Kompott-Entzug rechnen. Die Verbrecher, die in einer besseren Welt begangen werden, würden immer auch auf Missstände dieser Welt hinweisen. Statt also böse auf die Schmerzen zu sein, die Verbrecher der Metamenschheit (und damit sich selbst) bereiten, analysiert sie, was die Schmerzen wohl verursacht hat. Auf der Ebene der Metamenschheit gibt es keine individuelle Schuld mehr; hier ist Jesus nur noch ein tragischer Witz aus einer finsteren Zeit. In einer besseren Gesellschaft ist das Schlimmste, was einem misanthropischen Psychopathen passieren kann, ein Leben lang auf einer Insel zu leben, auf der man alle Drogen auf alle erdenkliche Weise konsumieren kann, was man dafür bezahlen muss, dass niemand Falschparkern und Vergewaltigern auf die Finger haut, Wenn man nachweislich ein anderer Mensch geworden ist, darf man sich wieder an den Kostbarkeiten einer solidarischen, gemütlichen Zivilisation gütlich tun: hier gibt es für jeden Internet und Wohnung und Beweglichkeit und Gesundheitsfürsorge und Essen und Trinken, bezahlt von öffentlicher Hand, also: von allen, damit alle sich endlich und immer wieder neu die große Frage stellt: wozu das alles? Also, wenn wir es wirklich schaffen, alle Menschen zur Ruhe zu bringen und miteinander zu synchronisieren, wird sicher die erste Frage sein: wie bringen wir den Planeten wieder in Ordnung? Wie kriegen wir den Atommüll weg? Wie halten wir die globale Erwährmung auf? Diese Probleme sind derart drängend, dass sie hoffentlich schon - zumindest teilweise - gelöst sind, wenn alle mal zur Ruhe gekommen sind. Was würdest du mit deinem Leben anfangen, wenn du überall hinkönntest und kein Geld für Wohnen und Essen und andere Lebensgrundlagen bezahlen müsstest? Was würdest du mit dir anfangen? Die Menschheit kommt in eine typisch westliche, pubertäre Krise, wenn jeder sich diese Frage zum gleichen Zeitpunkt stellt - und es werden psychedelische Künstler sein, die die besten Antworten darauf haben, sie vereinen in sich die Kreativität eines gesunden Kindes und das Selbstbewusstsein eines schlaflosen Leoparden, der in diesem Sommer geschlechtsreif wird.

Alle Menschen werden berühmt, wenn ich mich vergesse.