Melancholische Blutrünstigkeit: Körper-Extremität

Mein Gehirn ist eine Keule und schwingt hin und her, wenn was in die Nähe kommt, dann... Ich will nicht wahrhaben, dass ich übermüdet bin. Ich stehe irgendwo zwischen Tag und Nacht auf meinem Balkon. Ich weiß nicht, was ich mit der Gewissheit anfangen soll, dass die Welt außerhalb meiner Wohnung ganz real ist. Ich weiß nur, dass die Welt da draußen nicht weiß, dass ich existiere. Ich gähne und die Vögel stürzen aus den Büschen und Bäumen in den grauen Himmel.

Der Wille, nicht zu schlafen, obwohl man müde ist, obwohl die Wechselwirkung zwischen der Realität und dem eigenen Gehirn immer mehr Substanz abverlangt, bedarf eines Heldenmutes, den ich selten aufbringen kann, aber wenn, dann bedrückt er mich so stark, dass ich mich jedem Gott und jedem Ideal überlegen fühle.

Die Vorstellung, dass mein Bewusstsein sich wie ein sterbender Stern zusammenzieht und sich zu einem Loch verdichtet, das mein ganzes Gehirn wegsaugt, gibt mir das nötige Selbstbewusstsein, wenn ich mit meinen Eltern über meine vermeintliche Zukunft rede.

Die tiefste Tiefe, die ein Mensch in sich erreichen kann, ist die euphorische Gleichgültigkeit gegen das eigene Leben beim Hören von Ligetis Atmosphères - hör es dir an und dein blödes Herz, das dir nicht und niemals gehört, fragt sich noch selbstsicherer, wie lang es dich noch dulden soll.

Warum schreiben? Warum überhaupt etwas tun? Mein Begriff von Leben ist
unvereinbar mit jeder Art von Tätigkeit. Dieser Satz kann nur das Manifest eines
Unstillbaren sein. Arsch. Schwanz. Sperma. Küssen. Schlafen. Existenz ist eine
Notlösung. Wahrnehmung zerfleischt.
Meine Angst vor Selbstgewissheit schraubt mir einen angenehmen Druck
zwischen die Schläfen.
&
Die Zeit und ich würgen uns.

Wahrnehmung - ein Amboss im freien Fall.
&
Ehrfurcht nur vor Dingen, die man wirklich versteht!
&
Die Angst, mich plötzlich selbst zu töten.

Alles was man sagt, ist immer zu viel, weil es immer zu wenig ist.
&
Meine Unentschlossenheit verwüstet mich wie Methamphetamin dich.
&
Dieses Bedürfnis, in alles, was man getan hat, ein Loch zu bohren...
&
Ich hänge an meinem Leben wie ein Faschist an seinem Maschinengewehr.
&
Jeder wartet darauf, dass etwas passiert. Das schlimmste im Leben ist, dass die
Hoffnung zuletzt stirbt.
&
Eines Tages werde ich als Joseph Goebbels des Skeptizismus eine Zyankali-
Kapsel in den Mund nehmen und nicht zerbeißen.

& Die Sehnsucht, das Haus zu zerstören, in dem man geboren wurde... Die guten Momente lungern um die schlechten Momente herum wie erschöpfte Tiere an einem Wasserloch in sengender Hitze. Die Nichtigkeit der guten und schlechten Momente ist ein Walfisch, der in der Milchstraße hängt. Ein würziger Sumpf unter dem Bett, Delirien hängen in der ganzen Wohnung, der Gedanke einen Menschen zu töten entfaltet sich wie eine Rose in der Morgendämmerung. Völlige Bewegungsunfähigkeit. Keine friedliche Beziehung zu den alltäglichen Dingen. Mit Worten versuchen, die Leere zu bannen, die mein Ichgefühl entthronen will. Der Rausch der Worte ist die Maske, die sich das Flüstern der Wahrheit aufsetzt, um missverstanden zu werden.

Das Gesicht jedes Lesers ist härter als die Zeilen die er liest.

Ich hasse meine Stimme, wenn sie Entscheidungen ausspricht.
&
Ich hasse mein Gesicht, weil es niemals so skeptisch und gleichgültig und leer
aussieht wie ich bin.

Meine Stimme, mein Körper, mein Temperament - alles ein Käfig, der mich
davon abhält so zu sein, wie ich mich fühle.
&
Mit jedem Atemzug bewege ich mich in die falsche Richtung.

Mein ganzer Körper durchflutet von der kalten, unerschütterlichen Gewissheit seiner Ziellosigkeit, eine nutzlose Spielwiese von Zufällen, ausgeliefert zwischen zwei Unendlichkeiten puren Nichts und ich sag dir, dass ich nie dein Gesicht gemocht habe, wenn du gesagt hast „Ich weiß was du meinst."

An hellen Momenten ist dir alles gut und schön, was denen widerspricht und schadet, die dich verstehen und ihre Konsequenzen daraus ziehen.

Deine Vernunft und dein Gewissen sind nicht mehr als zwei ausgekatschte Kaugummis, die in der Glut deines Gehirns lange, klebrige Fäden ziehen. Nur wenn du nicht mehr lachen kannst, kommst du mir nicht verhext vor. & Du wirst alles überleben, was dir in den nächsten Monaten widerfährt. Die Enttäuschung darüber wirst du nicht aushalten und daran endgültig zerbrechen - und trotzdem nicht sterben.

Die Idee, etwas zu Ende zu denken, ist unvereinbar mit der Tatsache, dass unser Gehirn sich in einem Knochenschädel befindet.

Wir kommen aus der Intimzone einer Frau, kacken uns so richtig schön aus und sterben wieder.

Ich laufe mit meinem Nihilismus durch die Stadt wie mit schweren Springerstiefeln. Egal was die Leute dazu sagen könnten: ich würde sie dafür hassen - für die Arroganz zu glauben, mir etwas zu sagen zu haben. Mir geht es allein um mein Körpergefühl.

Das Wachsen das Kindes im Mutterleib ist die Verdauung der Samenzelle, welche mit dem Ausscheiden des Kindes in die Welt abgeschlossen ist. - Das ist kein Satz mehr, es ist ein Gefühl, ein Draht, der den Boden der Tatsachen zusammenhält.

Die Hoffnungslosigkeit, die meine Eltern mir vererbt haben, hat rote, gierige
Augen und fletscht die Zähne.
&
Jeder subversive Trieb ist das Lachen eines Schmerzes.
&
Wer Mord aus Langeweile schrecklich findet, der weiß nicht, wie schön
Langeweile sein kann.

Nichts ist erniedrigender als gezwungen zu sein, sich selbst zu vertrauen.
&
Das Beste an Leuten ist das, was sie niemals zuzugeben bereit sind.

Du bist das, was dir fremd ist.
Was dir vertraut ist, hat nichts mehr mit dir zu tun.
Du bist das, wovor dir ekelt.
Das, was du gern hast, gehört nicht (mehr) zu dir.