Derart koffeinempfindlich wie ich bin, kann ich es mir nicht leisten, mit anderen psychoaktiven Substanzen zu experimentieren. Wer zu Paranoia und Depression neigt, sollte kein Gras rauchen oder Hasch essen. Ich möchte nicht träge und matschig in leuchtenden Halluzinationen und unverständlichen Worten auf eine Verbesserung meiner Lebensumstände warten. Besonders abschreckend ist das süße Lied von Joint Venture: "Haschisch rauchen macht harmlos" - wollen wir angesichts der Weltlage wirklich harmlos werden? Wollen wir weich und grinsend unsere Widerstandskraft endlich verloren melden? Fordert unsere Situation verträumtes Siechtum und wirre Spaßigkeit? Ich sehe nicht, dass Marihuana die Kunst vertieft und die Politik freundlicher gemacht hätte. In den USA ist Gras ein gewöhnlicher Alltagsgegenstand geworden, um den sich ein ungeheurer Markt gebildet hat. Gras ist eine Ware wie jede andere, die uns helfen soll, die Schmerzen und Ängste zu unterdrücken, die uns unsere Sklavendienste in der Marktwirtschaft bereiten. Es mag eine Droge sein, die positive Effekte auf den Einzelnen haben kann und ein Verbot wünsche ich mir keinesfalls; es reizt mich einfach nicht, mein Gehirn zu vernebeln mit einer neuen Sache, wo ich doch die alte neue Sache (Koffein und Schlaflosigkeit) nach all den Jahren immer noch nicht verkraftet habe und nur schwer verarbeiten kann. Erst, wenn ich wieder ruhig schlafen kann und einen freundlichen Bezug zu mir habe, werde ich mich nach neuen Gewürzen umschauen.