- Die Fliege. - Als ich Sonntagnachmittag allein in meinem Zimmer darauf gewartet habe, dass jemand unangekündigt vorbeikommt, sah ich eine grünschimmernde Fliege auf meinem Schreibtisch, die auf Nahrungssuche war. Der halbe Löffel Butandiol in meinem Magen hat dafür gesorgt, dass ich eine ganz warme, kindische Freunde empfunden habe über die Fliege. Sie hat mein ranziges Messer mit ihrem haarigen Rüssel abgesaugt. Ich freute mich über unsere Koexistenz. So ein komplizierter Körperbau, diese riesigen Augen, die schnellen Bewegungen, die kurze Lebensdauer. Ich holte ihr das Tee-Thermometer aus der Küche, weil ich wusste, da ist noch ein bisschen Zucker dran (vom Umrühren). Nach einer Weile kletterte sie vom Messer runter und schleckerte den Zucker vom Thermometer. "Iss dich ruhig fein satt, liebe Fliege. Du brauchst keine Angst vor mir zu haben, ich töte dich nicht." Ich fragte mich, ob Fliegen Ohren haben. Im Internet hab ich keine Informationen darüber gefunden. Wusstet ihr, dass es tausende von Fliegenarten gibt? Die Natur ist so vielfältig. Es ist wichtig, dass der Mensch mit anderen Lebewesen koexistiert und nicht bloß versucht alles seiner primitiven, herzlosen Gier zu unterwerfen. Nichts gegen Gier und Kaltblütigkeit, aber bitte nur im Notfall. Der Mensch muss anfangen, sich zu entspannen, sonst geht der ganze Planet kaputt. Totale Entspannung - Überwindung der Erwerbsarbeit, Lohnsklaverei, hin zu einem Bedingungslosen Grundeinkommen, einer völligen Neugestaltung des Wirtschaftssystems. Alles muss sich entspannen, die perversen Vermögensunterschiede müssen ausgeglichen werden, die Umwelt muss radikal gereinigt werden. Gründliche Entspannung der Verhältnisse. Alles muss einfacher werden. Die Künstler müssen aufpassen, dass der Mensch nicht abstumpft und resigniert. Keine Ideale mehr! Den Menschen herauslösen aus allen Konstrukten - Koexistenz wirklich freier Menschen. Keine Staaten, keine Religionen, keine Endlösungen, keine Leitkultur! Erwachsene sind degenerierte Kinder. Nieder mit der Sklaverei! Brutale Meditation.
- "Der Gedanke, dass mir seit 20 Jahren die Prägung des geliebten Großvaters fehlt. Was hätte aus mir werden können, wäre er nicht gestorben? Mit meiner Trauer um ihn ging meine Kindheit zu Ende. Mit jedem Tag, an dem ich nicht mehr über seinen Tod weinen konnte, habe ich meine Kindheit immer tiefer ins Reich des Irrealen gerückt." - Ich lese diesen Abschnitt, während ich einen 3/4 Teelöffel Butandiol im Magen habe, höre ein kleines, melancholisches Lied und fange an zu heulen wie ich seit damals nicht mehr geheult habe. Ich sehe dem Tod meiner Eltern entgegen, meiner sorgenden, traurigen, von Arbeit und Armut geschlagenen Eltern, ich denke an ihre Tränen, an ihr Zittern, ich fühle mich geliebt, ich spüre, dass ich mein Leben die letzten Jahre heruntergewirtschaftet habe, ich spüre, dass das Leben etwas Ernstes ist, etwas Begrenztes, etwas das man nicht verstehen muss, solang man zu heftigen Gefühlen fähig ist, die man ebenfalls nicht verstehen muss, solang man warme, sanfte, stabile Freunde hat. Ich weine über alles, was ich nicht anzweifeln kann, ich wünsche mir, jeden Tag eine Stunde zu heulen; zu wissen, dass sich dieser Wunsch niemals erfüllen wird, macht ihn so unerträglich verbissen.
- Die Wirkung hält gut zwei-drei Stunden an und blendet sich langsam aus. Bis auf ein leichtes, nicht lang anhaltendes Flauheitsgefühl und ein paar Zuckungen im Auge habe ich keine negativen Nachwirkungen gespürt.