Eingang (Erfurt-Diagnose)

Auf dem Höhepunkt einer in Erfurt und Schlaflosigkeit hart gewordenen Leere und Planlosigkeit lernte ich im Sommer 2014 zum ersten Mal die positiven Effekte von psychoaktivem Cannabis kennen und die Pflanze wurde schnell nicht nur als Bereicherung am Schreibtisch unersetzbar. Ich kenne seit meinem 18. Lebensjahr Graskonsumenten, die sowohl positive als auch negative Erfahrung mit dem Kraut gemacht haben und keiner konnte mich überreden oder endgültig abschrecken, Gras zu rauchen. In meiner Studentenzeit und in den drei Jahren danach reichte mir Koffein als Stimulanz und Antidepressivum aus und natürlich hatte ich auch Angst vor einer mir unbekannten, zudem illegalen Substanz, die in mein Gehirn, damit in mein Bewusstsein eingreift, also mich notwendigerweise verändert. Als mir eines Tages der trockene, grelle, ereignislose Sommer den Oberkörper besonders fest verschnürt hat, die Arbeit an meinem Buch stockte, weil ich mich nicht auf einen Plot einigen konnte, und ich Zuflucht in der gemütlichen Mansarden-Wohnung von Miles fand, der sich gerade einen Joint anzündete und fragte, ob ich auch Lust hätte, vielleicht weil er spürte, dass mein Leben ein neues Gewürz bräuchte, und weil ich unbedingt auf Tabak verzichten wollte, er eine rote Glasbong aus dem Schrank holte, mir einen kleinen Krümel auf das Sieb machte und erklärte, wie man das Gerät benutzt, sprang ich über meinen aufdringlichen Schatten und landete im Sonnenaufgang einer ganz neuen, überwältigenden Erfahrung.