Viel zu abartig, um gut zu sein und noch zu abartig um böse zu sein. Im Traum renne ich als Kind den Wolken am Himmel hinterher. Wenn ich aufwache, finde ich mich in einem Zustand der mich depremieren soll, man erwartet, dass ich depressiv werde, man verlangt, dass ich depressiv werde . . und ich gehorche schließlich, das Kind gehorcht und stolpert, es stolpert und stolpert immer wieder über das selbe Loch. Die Wohnung langweilt sich, ihre Sauberkeit ist eine Farce, jedes Wort ist ein grinsendes Arschloch, flatuliert um Anerkennung. Deine Abwesenheit hat meiner Seelenplatte einen Sprung aufgeklingelt. Meine Ohren wollen bluten, aber können nicht bluten. Mein Leben ist eine Wunde im Leib meiner Mutter. „Aua" sagt sie zu mir, indem sie mir einen Kuss gibt. Das ist wichtig für ein Kind.
Die Hässlichkeit meiner Sehnsucht zu vertrauen, das Wummern der Trägheit, die Geilheit der Idiotie, das heiße Opium all meiner Unfähigkeiten und alles was ich mit meinem Vornamen verbinde frisst meinen Leib. Ich bin eine Ruine, fünftausend mögliche und unmögliche Schatten fratzen mir ein Gefühl von Seele auf. Ich will explodieren, damit das Nichts zur Begrüßung seiner Selbst anheben kann und die Erde und die Luft reinigt von der Abartigkeit meiner Existenz. Wir können niemals weder in unserer Traumwelt noch in unserer Alltagswirklichkeit voll aufgehen und schummeln uns mit dem Gedanken an unseren Tod durch diese Halbwelten. - Im heftigsten Schmerz oder der höchsten Liebe oder der tiefsten Gleichgültigkeit finden wir noch etwas Kraft, das Bewusstsein unserer unausgegorenen Lächerlichkeit zurückzudrängen - diese aber gärt dabei noch fröhlicher weiter als sowieso schon.
Erlösender Gedanke: niemand muss leben. Das Leben selbst muss sich nicht erhalten. Alles ist ein Spiel, getrieben von sterblichen Lüsten, die nicht sterben wollen.
Die Eitelkeit, etwas aus seinem Leben zu machen, wuchert aus nicht verdautem Scheitern wie ein Tumor in einem schwerfälligen Tier, dem egal ist ob es stirbt oder nicht.
Zu viel oder zu wenig Lebenslust weckt in dir eine tiefe Faszination für Krankheit, Verfall, ungewisses Sich-treiben-lassen durch die untersten Schichten der Gesellschaft - eine Faszination, die nur ganz am Anfang und ganz am Ende dumm erscheint.
Nichts ist rein und gut - und dir ist alles egal und du wartest bis etwas mit dir passiert, das noch nie mit dir passiert ist, vielleicht sogar auf etwas, das noch nie mit irgendwem passiert ist. Wenn du diesen Stolz nicht hättest, wärst du schon längst fort...
Dein Gesicht ist eine Lüge, zwei Lügen, fünf Lügen, sechs Lügen, dein Gehirn ist tausend Lügen und eine Hand voll Löcher. - Alle Menschen sind wahnsinnig und wollen es nicht wahr haben, sie sind betäubt, sie sind nicht bei sich, sie sind Automaten ihrer Sprache, die ein Automat einer autoritären Moral ist, die der Automat eines toten Gottes ist. Alles wartet darauf, dass du austickst.
Die Menschen geben sich selbst ihre Abgründe nicht zu, weil sie Angst haben, sich daran zu faszinieren und völlig wahnsinnig zu werden. "Oh, wenn ihr alles zerstören könntet, würdet ihr es tun!", rufe ich Euch meine Aufgekratztheit entgegen.
Unendliche Langeweile wohnt mit unendlicher Euphorie in der Hölle deiner Unerreichbarkeit. Niemand nimmt dich wahr. - Du willst schlafen, aber kannst nicht. Wollen und Können wohnen in einer Straße aus Stein, mit all den anderen Flitzpiepen deines Bewusstseins und Unbewusstseins. - Es ist absolut egal, ob du deine Eltern umarmst oder tötest.
Meine Einsamkeit dehnt sich aus. Nachdem sie meinen Körper und meinen Geist verschlungen hat, macht sie sich wie eine fette, schwarze Schlange auf den Weg zu neuen Eroberungen. Die tropischen Temperaturen sind ideale Bedingungen für sie. Sie hockt neben mir und wartet auf Besuch. Ich hänge den ganzen Tag in meiner Wohnung und esse und lenke mein Gehirn mit Filmen und Serien von sich selbst ab.
Der Dreck in dir vermehrt sich jede Stunde und irgendwann überwältigt er dich. Was gibt es noch zu festzustellen? Dass es sich nicht gehört, eine Person nach ihrem Namen zu fragen, bevor man sie sinnlos tötet.
Ich laufe mit Pierre eine Straße runter. Es ist nachts. Ich bekomme ein ganz heftiges Angstgefühl, mir wird schwindlig. Irgendetwas Kaltes hat in mein Herz gebissen. Alles verschwimmt. Jetzt bin ich endgültig wahnsinnig. Pierre steckt mir seinen Zeigefinger in den Rachen und ich kotze einen unverdauten Reiseintopf aus und Pierre macht die üblichen, süßen, leichtherzigen Witzchen. Es geht mir besser und ich habe das Gefühl, dass ich heute noch in die Schule muss.
Ich fühle mich immer am besten, wenn der Himmel grau und die Luft kühl ist, wohl weil ich daraus das stärkste Gefühl von Heimat und Ich schöpfen kann. Ich hoffe es regnet gleich. Ich bin jenseits von manisch und depressiv und kann mich drehen und wenden wie ich will, mir kommt kein Grund stolz auf mein makelloses Immunsystem zu sein. Ich werde niemals krank - es ist wirklich unglaublich! Mein Verstand sagt mir, dass es sich nicht lohnt, gesund und munter an dieser Welt teilzuhaben, aber mein Körper spottet mir all seine unerträgliche Gesundheit entgegen. Ich fühle mich so dumm.
Die beunruhigenden Streicheleinheiten meiner Unfähigkeit, irgendetwas auszusagen, das auch in einer Minute noch von Belang wäre, befreien mich von jedem Stolz- und Schamgefühl. - Ich kann mich unglaublich verbiegen. Ein menschlicher Körper ist nicht dafür ausgerüstet, sich derart zu verbiegen. Die Tatsache, dass er es doch aushält, zerbricht meinen Geist. Meine Gedanken, mein schriftstellerisches Ich stehen meiner puren Wahrnehmung der Welt, meines Lebens und damit auch meinem Wahnsinn im Weg. - Hiermit erkläre ich, der indirekteste Mensch im ganzen Land zu sein.
Ich bin bald mit meinem Buch fertig. Ich bin auf der Zielgeraden. Die Zielgerade schnürt sich um meinen Hals. Die Menschen kommen mir alle ganz weit weg vor, sie sind alle sehr viel kleiner als ich, ihre Köpfe sind so winzig, ihre Augen so feindselig. Sie stecken irgendwo drin wo ich nicht drin stecke. Ich kann mit dem schönen Gefühl, dass ich nicht zu ihnen gehöre, nichts anfangen.
Mein Gehirn pendelt zwischen dem, was ihr nicht wollt und dem, was ihr nicht könnt.
Ich habe Lust, alle paar Sekunden eine neue Handlung zu beginnen, die in eine völlig andere Richtung geht als die, die ich gerade vollbringe. Ich kann nicht länger bei irgendeiner Sache bleiben, ohne mich völlig deplatziert, falsch, dumm und leer zu fühlen. Ich verliere nach wenigen Sekunden das Recht, zu tun was ich gerad tue. In meinem Gehirn pendelt ein Hammer hin und her, sobald der ganze Körper mitschwingt, ändert er seine Pendel-Frequenz.
Mein Leben ist ein fetter Stinkefinger, den mir ein krebskrankes Kind in den
Rachen steckt, damit ich daran ersticke. Ich mache alles falsch, was man falsch
mach kann. Ich bin ein Astronaut, dessen Raumschiff, während es sinnlos um die
Erde kreist, langsam aus dem Leim geht. Wäre ich doch da unten geblieben! Mein
Bordradio empfängt ein Lied, dessem Nichte ich schon als kleines Kind geliebt
habe:
"Sommerzeit, das Leben ist ermüdend
und die Fische sterben
und der Smog macht high.
Mein Vater ist stark, weil meine Mutter schwach ist.
Da liegt eine Rose im Garten
und ein schöner, toter Vogel.
Einer dieser leeren Vormittage,
meine Augen werden immer schwerer
und wollen sich zurückziehen in den Bunker meines Gehirns.
Ich liebe mein schwarzes Loch in meinem schwarzen Kopf
und das schwarze Fieber
in meinem schwarzen Herzen."