Nicht schlafen können ist eine Kunstform, die über alle Werke erhebt. Erdrückende Ekstase. Die Wahrnehmung schneidet wie ein Messer durch die stehengebliebene Zeit und den Raum, in dem kein Gedanke hängen bleibt, nichts bleibt hängen an der hypnotischen Monotonie des Schneidens. Jede durchwachte Nacht verringert die Lebensspanne um etwa eine Woche.
Über 300.000 verlorene Seelen in einem Dorf. Über 300.000 Gründe, nichts zu tun.
Jemanden verstehen heißt, ihn besiegen. - Sich entscheiden heißt, verlieren.
Erst wenn man dem eigenen Leid keinen Sinn mehr geben kann, hat man es verstanden.
Jeder Gedanke ist ein Zwangsgedanke.
Es gibt für jedes Problem mindestens eine katastrophale Lösung, die sich lohnt.
Der Ängstliche sieht mehr als der Mutige, der Mutige ist fröhlicher als der Ängstliche. Je mehr der Ängstliche sieht, desto ängstlicher wird er. Je fröhlicher der Mutige ist, desto mutiger wird er.
Ob man die Dinge ernst nimmt oder nicht - man wird ihnen niemals gerecht.
Man kann sich so schnell und effektiv von allem Bedrückenden lösen, bloß nicht von der Lust, bedrückt zu sein.
Der Existenz ist es egal, warum sie existiert. Sie säuft einfach die halbe Bar leer und fällt irgendwann vom Hausdach.
Der Bordstein ist überzeugender als das Abendrot - solider, verlässlicher.
Der Lebenswille verkleidet sich oft als Verzweiflung - der Todestrieb trägt gemütlichere Klamotten.
Der Tod ist das einzige das man anfassen kann, ohne sich zu blamieren.
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Warum ist Manie und Depression, Selbstsicherheit und Selbstunsicherheit, Aufmerksamkeit und Langeweile so dicht beieinander?
Denken ist ein Abreibungsprozess. - Bewusstsein ist der Sand im Getriebe des Körpers.
Wenn man alles durchschaut hat, kann man das Leben nur als Psychopath, Junkie oder Bettelmönch ertragen.
Arbeiten, etwas erschaffen, etwas bewirken heißt: das destruktive Potential unseres Geistes auf ein Abstellgleis umleiten, damit wir die Lust an unserer Verderblichkeit so lang wie möglich auskosten können.
Das Leben erfindet sich immer neue Mittel gegen den Tod und die Langeweile. Viele Mittel sind nicht mehr zu gebrauchen und einige werden bald wieder nützlich sein. Die Sensiblen suchen und finden zuerst, dann ihre Freunde, dann eine Subkultur, dann eine Gegenkultur.
Leben und Tod kämpfen miteinander - das Resultat ist ein blühender und irgendwann ein welkender Körper.
Eine oder mehrere Meinungen zu haben ist genau so idiotisch wie gar keine Meinung zu haben.
Wir erwischen die Wahrheit immer nur dann, wenn sie versucht sich in einem Zwiespalt zu verstecken.
Zwei Arten von Skeptikern: die einen sind von Zweifeln zerfressen, die anderen von Zweifeln erfüllt.
Wenn wir nur noch an einer Sache hängen, werten wir die Sache mit Inbrunst auf, damit unser Festklammern nicht so lächerlich wirkt. ("Es ist meine Bestimmung, Schriftsteller zu werden! Es ist meine Bestimmung, mich hier in ein Tier zu verwandeln!", und so weiter...)
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Billiger Kaffee, warm und bitter, leuchtet mir den Weg durch die Nacht, wie eine Kalaschnikow mit angeschraubter Lampe. Meine kaltblütige Liebe krampft alle Poesie in den Widerstand gegen die Möglichkeit. Zerrissene Gefühle definieren die Kluft zwischen Abstumpfung und Besessenheit. Hysterische Ambivalenz. Aufschlussreiches Zyankali, erlösende Peitschenhiebe.
Ich hasse es, wenn man mit dem Finger auf mich zeigt. Wenn man mich findet. Wenn man mir sagt, was ich bin. Alles, was feststeht, bedrckt.
Das Glück, geboren worden zu sein, erfüllt mich mit einer Scham, die kein Gott mir nehmen könnte.
Gefangen in meiner Materie verfüge ich nur über den Sinnestaumel oder das Nichts, sonst ist alles durchgekaut.
So wie ein Kind in der Nase bohrt und einen Popel isst, so verschwende ich mein Leben: der gleiche Eifer, die gleiche Neugier, der gleiche Gesichtsausdruck.
Der Gedanke, mein Leben einer höheren Idee zu widmen, kommt mir genau so absurd vor wie der Gedanke, meine sterblichen Überreste dem Bundespräsidenten zu vermachen.
Jeder Mut ist Anmaßung.
Mein Bewusstsein beschränkt sich einzig auf die Tatsache, dass ich nicht schlafe, dass ich jetzt gerade wach bin, dass ich ein Teil dieser Stadt bin und einfach nur wach bin. Ich bin zu wach, um mehr bekennen zu können. Ich habe Wäsche gewaschen und Schönberg gehört, aber das ist weit weg, es hat nichts mehr mit mir zu tun, nichts was ich jemals getan habe, hat einen Einfluss auf mein gegenwärtiges Ich. Ich bin einfach nur wach.
Ich habe vor einigen Jahren meinen roten Faden verloren. Wenn ihn jemand wiederfindet, kann ich nur noch versuchen, mich damit zu strangulieren und falls du mich aufhalten solltest, würde ich dich nur hilflos anstarren.
Da ist ein Loch in meinem Leben. Es dehnt sich langsam in meinem ganzen Körper aus. Es will mein ganzes Leben ausfüllen. Ich weiß wirklich nicht, was mit mir nicht stimmt. Jeden Tag verliere ich mehr von mir. Auf der Suche nach Substanz stürze ich immer tiefer. Nichts steht in Verbindung mit mir.
Und es steht nicht fest, wie ich sterben werde. Diese Gewissheit baumelt wie ein Damokles-Schwer über meiner Unausgeglichenheit arabica. Meine Augen starren Phantasie und Wirklichkeit durchbohrend ins Nichts.
Die Zeit und ich zerdrücken uns gegenseitig die Kehle. Keinem Gedanken glauben wollend das Gehirn vergiften. Die Kälte meiner Füße ist das Zentrum der Welt. Anstatt ich das Haus anzünde, wackel ich auf meinem unbequemen Stuhl sachte hin und her. Ich kann nicht mehr aufhören: ich bin ans Ende der Zeit gekettet.
Ein Lüstling und ein Wüstling sitzen hinter meinem Gesicht, auf einem Pilz, der surrend und immer süßer werdend meinen Körper in immer höher werdenden Dosen mit Anhedonie versorgt.
Ich verachte die Menschen dafür, dass sie genau so wenig Lust zu sterben haben wie ich. Ich teile mein Bett nur mit Leuten, die nicht sonderlich am Leben hängen.
Alles dreht sich um mich, mein Elend ist das Maß aller Dinge. (So kommt man nur weiter, wenn man Freunde hat, die genau so pervers sind wie man selbst. Wenn ihr mich kennen würdet, wärt ihr vielleicht froh, dass ich so wenig Zuspruch von meinem sozialen Umfeld bekomme.)
Ich habe Freunde, die derart berechtigt verzweifelt sind, dass ich ihnen niemals Sprüche wie "Schau nach vorn" oder "Glaub an dich" um die Ohren hauen würde; viel eher würde ich ihnen sagen: "Schau bloß nicht nach vorn!" oder "Glaub bloß nicht an dich!".
Manisch-müde werden wir über die letzte Hoffnung triumphieren.
Steht meine Müdigkeit meinem Ausdruck im Weg oder mein Ausdruck meiner Müdigkeit?
Ohne zu reden und zu schreiben könnte ich mich nicht ernstnehmen. Ohne Worte ist alles tief und lachhaft zugleich. Der Mensch wird nicht von bestimmten Tatsachen deprimiert, sondern von bestimmten Lauten und Buchstaben.
Ein Ich ist nötig, damit der Körper die Ambivalenz seiner Triebe ertragen kann. - Der Wille authentisch zu sein ist der Schalk in meinem Nacken, ich würde ihn gern abschütteln, aber das wäre auch nicht authentisch.
Ich habe diese Nacht überlebt! Bin ich jetzt stabiler oder instabiler als gestern Abend?
Alles verändert sich fortwährend und ist nicht zu fassen - und wenn du dich auf nichts verlässt, wenn du an allem zweifelst, wenn du dir keine Regeln gibst, wenn dir alles zu jeder Sekunde anders erscheint, wenn dir zu jeder Sekunde alles egal ist, dann schaust du als Wahrheit in die Wahrheit und das Kaninchen singt:
deine hoffnung stellt dir ein bein, deine entscheidungen fallen,
jesus sitzt auf der wolke und nagelt einen engel, der aussieht wie ein affe,
der so eng ist wie du und
der bürgermeister schneidet ihm ein auge aus, weil auf der wolke parkverbot ist
und wichst in einen mülleimer, um flaschensammler zu überraschen
*
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Alles geht viel zu langsam kaputt
„Das Unbeschreibliche drängt sich ins Licht und ich würde es gern ficken,
wenn mein Schwanz noch ein bisschen heißer wäre.“ (Florian Silberfisch)
1
Man kommt allem auf den Grund, wenn man es übertreibt.
Die Suche nach dem Sinn des Lebens ist abgeschlossen, wenn man einen Ersatz für ihn gefunden hat. Jede Leere kann gefüllt werden, egal womit. Es bleibt immer sinnvoll, ohne Sinn auszukommen: die Sinnesorgane erfüllen sich von selbst.
Das Schwerste ist immer das Vielleichteste.
Die Lust, sich treiben zu lassen, ohne Sinn für Horizont und Zeit, das ist eine Lust magerer Brüste. - Stärke beweist sich durch einen langen Willen zu etwas, ein rücksichtsloses Manipulieren der Umwelt, eine fröhliche Amoralität. Diese Stärke beweisen wenige, denn nur wenige halten die Lust aus, die diese Stärke macht.
Allein der Zwang, irgendetwas tun zu müssen, spricht frei von aller Schuld.
Alles Moralische, alles Vernünftige, alles einfache Glück, alle Behaglichkeit träumt von seinem Gegenteil.: dem Überschwang, der Entgrenzung, dem Durcheinander, der Krankheit, dem Verlust. Jede Seite findet allein in der Tatsache ihrer Existenz ihre einzige Rechtfertigung und Beschränkung. Jeder muss sich von Zeit zu Zeit auf der anderen Seite umschauen, aus dem selben Grund, warum man Geträumtes nicht undurchdacht lassen und seine Verdauungsendprodukte nicht im Körper behalten darf. Die Giftkonzentration, der psychische und physische Druck würde immer größer werden. Gott und seine Geschwister und Nachkommen sind nur die Verdauungsnebenprodukte der menschlichen Rasse. Wenn man sie nicht ab und an herunterspült, platzt die Menschheit.
Von innen sehen wir uns alle noch ähnlicher als sowieso schon. Rücken wir für einen Moment zusammen und denken wir nur an das Blut, das durch unsere Venen rauscht, all die lustigen Organe, die vor sich hinarbeiten, unsere erregenden Zweifel, unsere Lust an unseren inneren Strömungen, am rhythmischen Zucken unserer Gehirne.
Das Gute kann Dünger für eine böse Saat sein. Das Böse kann Dünger für eine gute Saat sein. Nichts hat nur eine Ursache, nichts hat nur eine Wirkung.
Was du siehst, das siehst du, ganz egal ob du willst oder nicht! Was du lebst, das lebst du, ganz egal ob du willst oder nicht!
Deine Umwelt ist dein wahres Gesicht. Dein Körper und dein Geist sind nur seine Schatten.
Wie oft schon haben sich kreative, fröhliche Impulse auf der Suche nach Gründen, nach Rechtfertigungen verdorben!
Unberechenbarkeit und Unkontrollierbarkeit, notwendige Begleiterscheinungen ihrer Freiheit, sind den Menschen die besten Argumente gegen ihre Freiheit.
Die besten Sehnsüchte drücken.
Wenn ein Gefühl mit einem Wort in Berührung kommt, schreckt es selten zurück wie ein Tier, das an einen Elektrozaun gerät. Meist stirbt es (wie ein zu schwaches Tier am Stromschlag des Zaunes). - In uns verwesen abertausende gegrillte Gefühle, von denen sich jene Gefühle, die (den „Schock der Worte“) überlebt haben, ernähren. Ekelhaft!
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Man sollte sich nur für Dinge interessieren, die einen nichts angehen.
Die vollkommenste Tat ist die, die bloß aus Mut begangen wird.
Mach immer mehr! Immer lauter! Immer schiefer! Immer bunter! Immer übertriebener und wirrer! Meine Imperative an dich sind verkleidete Gefühle in mir, so wie die Gefühle in dir verkleidete Imperative an mich sind.
Alles was man tut ist ein so-tun-als-ob.
Du steckst voller Geheimnisse. Je länger sie reifen, desto schöner werden sie - und du selbst. Der Saft eines überreifen Geheimnisses ist krebserregend.
Wer sich nicht um den Sinn des Lebens kümmert, hat ihn gefunden.
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„Hör auf dein Herz!“, bekommt man leider nur von Leuten zu hören, die blödsinnigerweise denken, aus dem Herz käme nur Gutes. - Das Herz ist nicht das Organ, welches eine verlässliche, vernünftige, vitale Güte erzeugt - man glaubt aber meist daran, weil es zwischen den Organen der Libido und des Ratio liegt und besonders lustvoll auf die Erzeugnisse jener Organe reagiert. - Es gibt kein Organ, auf das man mehr hören müsste als auf andere. Man hört naturgemäß immer auf das mächtigste Organ - jenes „Hören“ selbst wird von ganz ver- schiedenen Organen ermöglicht - und das kann immer positive und negative Folgen haben.
Zuflucht ins Chaos. Jede Bedeutung abschüttelnd unverwundbar werden.
"Ich hasse meine Stimme, aber ich liebe meine Zähne.", mach ich mir Mut, während der Kaffee meinen Unterleib in einen Korb prall gefüllt mit Schwarzen Johannisbeeren verwandelt und mich nach ein paar Minuten in der Schwebe zu der Behauptung drängt, dass es besser ist, unbegründet zu lachen als verständ-licherweise zu heulen. Ja, mein Vater hat mich früher ein paar Mal geschlagen, aber ich hab mich dran gewöhnt wie an so vieles, und ich glaube, ich hab die Hände meines Vaters.
Ich weiß, dass alle Gegenstände ringsherum eine feste Bedeutung haben, jeder Gegenstand kann mich wahrnehmen und erwartet etwas von mir. Und langsam, langsam werden sie zornig, weil ich mich immer noch nicht entscheiden kann. Ich träume davon, wie ich durch die Stadt renne, immer betrunkener werde, auf Hausdächer klettere, den Verstand verliere, immer höher und höher kletter, genau wissend, dass ich nicht mehr runter komme, dass ich gleich abstürzen werde, irgendjemand muss es sich so gewünscht haben, ich habe zu spät mitbe-kommen, dass mich mein Körper exekutieren will für ein Verbrechen, das ich zwar nicht begangen habe, aber das mich hart beglückt, wenn ich daran denke es zu verüben.
Man ist nur glaubwürdig, wenn man keine Lust auf irgendwas hat.
3
Ich habe keine Vorfahren und keine Nachfahren. Ich laufe entlang einer geraden Linie, ich warte auf den richtigen Moment um zurückzuschlagen. Ich hab so viel wichtige Gedanken in den Fluss geschoben. Ich hab kein Geld und die Welt durchströmt mich und ich kann niemanden in die Augen sehen. Du bist in der Nähe und schlägst Zeit tot mit dem Dildo deiner Aufstiegsmöglichkeiten und die Krähen kreisen über dem Dach. Ich werfe meine Rhetorik in eure Fenster-scheiben. Mein Rücken tut weh, ich war tagelang nicht draußen. Ich will, dass meine Wohnung mich wahnsinnig macht. Ich hab keine Lust mehr gerade aus gehen zu können. Das weiche Ende der Fahnenstange steckt in meinem Gehirn. Die Arbeit wird immer immer monotoner. Das Bett wird immer immer größer. Meine Stimme wird immer immer kälter. Der Stern in meiner Stirn wird immer immer heißer. Das Parlament wird immer immer gefährlicher. Die Eltern werden immer immer fetter und müder. Das Kind wird immer immer unruhiger und lustiger und böser. Alles geht immer weiter auseinander. Ich dreh mich um mich selbst und meine Vergangenheit fällt von mir ab, und meine Zukunft, und ich geh zum Bäcker und kaufe mir Brötchen.
Das Lied „Teardrops“ von Womack & Womack hat mich eben davor bewahrt, wahnsinnig zu werden, weil ich die Person über mir, die mich mit ekelhafter Metal-Pop-Musik geweckt hat, nicht einfach töten kann. . Nicht töten. . Nicht töten . . Nicht töten. . Herzsymbol, Herzsymbol, Herzsymbol. „Whenever I hear goodbyes - remind me baby of you. I break down and cry - next time I'll be true yeah“
„Ich töte dich, weil ich keinen Grund habe! Genau deshalb und nur deshalb! Ich möchte mich nicht mehr selbst zerfleischen! Ich möchte mich von allen Gründen befreien! Nicht mehr möchte ich zernagt werden von Für und Wider, nicht mehr möchte ich Opfer irgendeiner Kausalität sein! Keine Rechtfertigung soll mehr an meiner Kehle und meinem Herzen würgen, kein Warum und Deshalb soll mein Gehirn mehr verstopfen! Fortan will ich meine einzige Wahrheit in dem finden, was mir am leichtesten fällt - und dies ist genau jenes, was jeglichen Grundes entbehrt. Hals über Kopf springe ich in die einzig mir verbliebene Möglichkeit."
Ich bin kein Haus, das in Flammen steht, alles was ich anfange, kann ich beenden, ich passe in keinen innersten Kreis, ich bin eine rote Flüssigkeit, ich bin ein Stehaufmännchen, ein Showmaster. Ich bin ein guter Tänzer. Ich erinnere mich, wie ich als aufgewecktes Kind durch die Pappelallee meines Dorfes gelaufen bin, ich hab mich weder wie ein Kind noch wie ein Erwachsener gefühlt.
Ich zünde in einer überfüllten Fußgängerzone eine riesige Fackel an und schwenke sie über die Menschen hinweg, die von irgendeinem Prinzip durch die Straßen getrieben werden. Niemand schaut mich an, sie machen alle einen großen Bogen um mich, als wäre ich eine Litfaßsäule. Jetzt bin ich ganz vom Rauch umgeben und
Die Leute in der Stadt, mit ihren weichgeklopften Engelchen und Teufelchen im Schädel und ich folge ihnen und tu so, als wäre ich was Besseres.
Die Realität stürzt wie ein Wasserfall durch jede Zelle meines Körpers. Ich werde immer kleiner und dunkler.
Der Gedanke an deinen Tod und der Gedanke an das Ende aller Existenz ficken miteinander auf dem Bett deiner Ziellosigkeit und ejakulieren Wirklichkeit in die ausgeleierten Kondome deines Vaters. Verstecke deine Flügel, bis sie funktionieren, bis du wieder fliegen und Feuer spucken kannst!
Zwischen deiner dummen Lebensgier und deiner Unfähigkeit ein Haus anzuzünden, dort wo sich Wahrheit und Lüge verwechseln, wo Liebe und Hass keine Gegensätze sind, wo du zu jung für Angst und zu alt für eine sichere Heimat bist, dort wo alles Böse gut tut und alle Schönheit schmerzt, zwischen tropischem und arktischem Wahnsinn, dort zwischen deinen großen Gedanken wartet dein heiliger Krieg.
Du starrst in den verfluchten Himmel, dieses riesige Loch, in dem Gott leben soll.
Ich will mit ihm reden, aber er hat so ein weißes Schimmern hinter der Stirn. Es gibt keine Gründe dafür, zumindest gibt es keine Gründe, nach Gründen zu suchen, was ja das selbe ist.
Alles ist möglich und nichts kommt in Frage solang die Musik sich nicht ändert.
4
Welchen Grund gibt es, nicht jeden Tag laut PERDAUTZ! zu rufen?
Welchen??!!
Meine Eltern verachten mich instinktiv, sie spüren, welche Perversionen in mir schlummern. Dann wird es Frühling und ich küsse jemanden, den ich niemals lieben kann, dann wird es Sommer und ich ficke jemanden, den ich niemals küssen kann und dann wird es Herbst und ich träume davon jemanden zu töten den ich niemals anfassen willund dann wird es Winter und Hubschrauber fliegen über die Stadt, mich zu suchen und zu vernichten. Falls ich eine Paranoia habe, will ich von Niemandem eine Einschätzung hören, inwieweit sie begründet ist.
Der Paranoide weiß, dass die Grundlagen dieses Staates so instabil sind wie ein Spiegelei.
Selbst ein langes, gemütliches Glück ist nichts im Vergleich zu einer heftigen, bodenlosen Verzweiflung.
Je komplizierter der Mensch wurde, desto genauer erkannte er seine Komplexität als das größte seiner Probleme. - Glaube keinem Führer, der an ein festes Ich glaubt!
Der erste Sinn deines Lebens ist, warum du nicht stirbst. Der zweite Sinn deines Lebens ist, warum du nicht sterben willst.
Denken distanziert vom Sein. Nur im Notfall denken, wenn du den Halt nicht verlieren kannst...
Die Angst, sich während des Schlafens versehentlich das eigene Auge rauszuholen, ist sicherlich ein gutes Zeichen.
Früher oder später werden all die Leute, die dir wichtig sind, enttäuscht sein, weil sie nicht ernst genommen haben, was du gesagt hast.
Eine seltene Empfindung ist nicht weniger wahr als eine alltägliche.
Du bist eine Schraube und es ist noch nicht erfunden, was du zusammenhalten könntest.
Der Körper ist dem Intellekt überlegen, deshalb fällt es den meisten Menschen so schwer, sich zu töten.
Es wäre viel gewonnen, wenn man das Wort „schamlos“ befreien würde von seinem negativen Beigeschmack.
Gesetze hüten sich selbst oder verändern sich.
Die Schönheit eines Außenseiters ist davon abhängig, ob er sich frei oder ausgestoßen fühlt, also ob er sein Außenseitertum als Stärke oder als Schwäche begreift.
5
Stell dir vor, du wirst zum Tode verurteilt und keiner will dich umbringen.
Wer mit allen Leuten klarkommt, hat Heimweh nach sich selbst.
Es zeugt von einem gesunden Geschmack, wenn man sich nur erlaubt, mit denjenigen Menschen näher in Kontakt zu stehen, die nichts von ihrer Sterblichkeit wissen.
Die besten Befürworter der Demokratie haben einen muffig aristokratischen Habitus und selbst wer an nichts glaubt, fühlt sich überlegen. Jeder, der sich nicht hasst, ist arrogant.
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Man soll die Dummen nicht belehren! Es reicht völlig, die Hellen, Schönen, Gewitzten vor der Dummheit zu bewahren. - Es gibt noch viele Gräben, die gezogen werden müssen...
Das permanente Nachdenken über Vergangenes (insbesondere das Bereuen und Bejammern) hinterlässt tiefere Narben als das Vergangene an sich. Eine Frage der verbrauchten Zeit und Energie.
Idiotie: etwas von ganzem Herzen wollen, aber die Mittel dazu aus einer Überzeugung oder Faulheit heraus ablehnen.
Es muss jedem Menschen jederzeit möglich sein, seinen Vor- und Nachnamen nach seinen Wünschen zu ändern.
Der Idealist fürchtet nichts mehr als das Kommende, der Künstler nichts mehr als das Gewesene. Deshalb ist es so leicht, beides zu sein.
Wenn du noch niemanden getötet hast, darfst du dich auch nicht selbst töten.
Jeder Schmerz will, dass du stolz auf ihn bist.
Zwischen dir und diesem Moment liegen Welten.
Du bist gerade dabei, dein Ich zu zerstören. Die Beziehung zu deinem Körper wird sich bald radikal verändern.
Den Schreibstil nachträglich verbessern heißt, Gedanken nachträglich verbessern, heißt Gefühle nachträglich verändern, heißt täuschen. Warum die Eitelkeit? Hast du Angst oder Ekel vor dem, woraus der ursprüngliche Stil kam? Oder glaubst du, du könntest deine Innenwelt an deine Worte anpassen?
6
Dein ganzes Bisher ist nur ein Ei - das gegenwärtig Wahrgenommene ist die Eierschale, dein Geist ist der Schnabel, dieses Buch ist das Picken gegen die Schale.
Die Illusion, die dir das größte Lustgefühl gibt, nennst du zuletzt deine höchste Wahrheit.
Erwachsene haben keinen Geschmack mehr, nur noch Gewohnheiten.
Ich bin etwas Organisches, also ist meine organische Existenz das Einzige, was mir bleibt, wenn ich allen Glauben verloren habe.
Stil ist, wenn man's trotzdem sein lässt.
Du wirst erkennen, dass die Tage der Krankheit und der Verzweiflung und des Wahnsinns dir die nützlichsten sind und die Tage der Zufriedenheit und der Klarheit nur deren Bedingungen.
Es wäre schon viel gewonnen, wenn Menschen, die wirklich leben wollen, dies auch enthusiastisch ausdrücken - und diejenigen, die sich mehr schlecht als recht durch das Leben drücken und dabei mehr leiden als genießen, vom Staat erleichtert werden, indem dieser ihnen die Arbeit gut bezahlt und überhaupt vor existentiellen Nöten bewahrt (ohne Scham zu erzeugen). Es ist unerträglich, permanent mit Leuten zu tun zu haben, die keine rechte Lust am Leben haben und nur zu feige oder zu schwach oder zu doof sind, sich umzu- bringen.
Jeder ist nur das Mittel seiner Möglichkeiten.
Drogen zerstören nicht den Körper, sondern reduzieren ihn auf ein notwendiges Minimum.
Lass dir nicht von denen, die nicht wissen oder wahrhaben wollen, was dein Ziel ist, sagen, du sollst vorsichtig sein oder genügsam oder dich so und so verhalten gegenüber den Gefahren, die dein Leben bestimmen.
Es gibt nichts, was sich nicht zu unterbewerten lohnt.
Zum Leben reicht allein die Fähigkeit zu bejahen und zu verneinen und ein unerreichbares Ziel.
Du wartest dein ganzes Leben lang auf einen Traum, der dich wahnsinnig macht.
Das Beste fällt schwer, das Beste fällt tief.
Man muss irgendwie - zur Not krampfhaft und unglaubwürdig - an jeder noch so ernsten, heiligen Sache etwas Lustiges, Lächerliches finden. Alles verdient, durch den Kakao gezogen zu werden. Keine Religion, keine Ideologie, kein Mensch, kein Verbrechen, keine Liebe, kein Traum, keine Wahrheit sollte von Spott und Niedertracht und Lüge verschont bleiben. - Auf alles muss man wichsen und scheißen dürfen.
*
Dieses Gefühl, langsam von einem dunklen Wahnsinn umkreist zu werden, kann dir niemand beschreiben, nur verschaffen.
Jeder will wissen, wie weit er kommt.
Das Leben ist seit seiner Entstehung ein fortwährender Problemlöseprozess, der nur für Menschen, die ganz laut Musik hören, unterbrochen ist.
Wenn du über etwas nicht weinen kannst, hast du es nicht begriffen, wenn du nicht darüber lachen kannst, hast du es nicht verstanden.
Hör auf, dir das Glück anderer borgen zu wollen - beiß es ihnen aus dem Gesicht!
Jenseits aller Wertevorgaben, zurückgeworfen auf unsere rohe, sinnlose Animalität bleibt nur die Frage, was uns wie lang davor bewahren kann, eingesperrt, getötet oder wahnsinnig zu werden.
Wenn du etwas sagst, jemand anderes es akustisch nicht versteht und du wiederholst es und du spürst schon eine vibrierende Distanz dem Gesprochenen gegenüber, so als hättest du dich schon wieder verändert, als hättest du das, was den Satz zum ersten Mal aus dir hervorgebracht hat, wieder überwunden, dann kannst du dir sicher sein, dass dein Bewusstsein auf etwas Unerhörtes zusteuert.
Alles was dich zusammenhält, will dich unterdrücken - bist du schwach genug dafür?
Wenn du über deine Verwirrung nicht lachen kannst, bist du noch nicht verwirrt genug.
Liebe ist, wenn es trotzdem weh tut. Liebe ist, wenn es trotzdem glücklich macht.
Das beste an einem Satz ist das, was er nicht sagt.
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11
Beunruhigende Hoffnungen
Herbst 2013
1
Wir glauben an unsere allgemeine Verwirrung, reif geworden an unseren besten und schlechtesten Tagen, die uns niemand nehmen kann; und die Leute sagen, dass wir ihnen verloren gegangen sind und weil wir tief in ihre Gesichter geschaut haben, wissen wir, dass nichts daran schlecht ist, ihnen verloren gegangen zu sein.
Unserer Lüste und Leiden gefährden unsere körperliche Substanz. Wir opfern unsere Vitalität im insomnischen Tempel und erwarten gar nichts.
Koffein - richtig angewandt - macht es unmöglich, subjektiv oder objektiv zu sein.
Die unschuldige Gewalt der Musik, die uns zum Tanzen bewegt, ist verknotet mit dem Trieb, immer mutiger, klüger, widerstandsfähiger, immer mächtiger zu werden. Ich weiß nicht, ob ich zu den Starken oder Schwachen gehöre. Ich spanne nur meine Hoffnungen aus und hol mir einen runter.
Solange ich auf meine Hoffnung angewiesen bin, werde ich die Ungewissheit vorziehen. - Wenn man sich genug vertieft in ein Problem, erscheinen alle Worte lächerlich; man kann darüber klagen, aber sich auch darüber freuen, je nachdem, wieviel Kaffee man gesoffen hat.
Ärgerst du dich wirklich darüber? Oder ärgerst du dich bloß, dass du dich darüber ärgerst?
Man kann das Leben nicht lieben, wenn man nicht ehrlich toll finden kann, dass Dinge schief gehen könnten, ja wenn man sogar will, dass Dinge schief gehen.
2
Willst du wissen was mit dir passiert, wenn du deine Gedanken verdaust und nicht nur anglotzt?
Alles in dir will verheizt werden.
Alles Mögliche will möglich sein und ist nötig; alles Unmögliche will nicht möglich sein und ist deshalb auch nicht nötig.
Chaos machen und Ordnung machen ist von weiter weg aus gesehen das selbe. Sich verweigern und befehlen ist näher betrachtet das selbe. Töten und gebären ist das selbe ist, nur etwas zeitverzögert.