Wir werden ungemütlich, wenn wir keinen Job haben; in der Klemme einer leeren, unauffüllbaren Zeit fühlen wir uns verzehrt von Nutzlosigkeit. Es gibt nichts, dem wir unsere Energie widmen können und meinen, damit unser Leben kaputt zu machen. Aber ob wir etwas tun oder nicht, wir bewegen uns in konstanter Geschwindigkeit dem Zusammenbruch unserer nervlichen und damit zivilisatorischen Kräfte entgegen. Wir bekommen dafür erst ein echtes Gefühl, wenn wir nichts mehr in diesem Leben zu tun haben, wenn wir nichts mehr mit dem zu tun haben, was unsere Vergangenheit aus uns gemacht hat, wenn wir einfach nur noch aus dem Fenster schauen, ohne zu wissen, was wir von der Zukunft erwarten können, ohne in unserem Herzen das Bedürfnis zu tragen, etwas Bestimmtes mit unserem Leben anzufangen, wenn die Ödnis des grauen Spätsommerhimmels die letzte Bastion unseres Selbstgefühls ist. Denn immer wenn wir an einer Sache arbeiten, wenn wir für etwas kämpfen, wenn wir uns auf etwas freuen, selbst wenn wir das Haus nur für einen Spaziergang verlassen, entreißen wir uns dem Bewusstsein, dass wir uns auf eine namenlose Katastrophe zubewegen, falls wir nicht entkoppelt genug sind, um willentlich, wissentlich auf diese namenlose Katastrophe zuzugehen, sie heiteren Herzens willkommenzuheißen, diese namenlose Katastrophe, über die man ohne Scham nur schreiben kann, wenn man nicht gänzlich an sie glauben kann oder will, wenn man sich nicht schämen kann für die Anmaßung, die jede Beschäftigung mit dem, was kommt, bedeutet.
Solang ein Mensch sich wohl und sicher fühlt, ist er vor sich und der ganzen Welt bloß ein Schauspieler, der sich auf der Bühne eine Zigarette anzündet und einen Monolog darüber hält, wie wohl er sich gerade fühlt.
Authentisch sein heißt, ernst und ratlos zu sein, weil jedes Leben eine Notsituation und Bewusstsein etwas Ungreifbares und Schauderhaftes ist. Wenn man nicht in einer existentiellen Klemme steckt und nicht seinen Körper und Geist als fremd und unheimlich empfinden kann, befindet man sich in einer Verschnaufpause, in der man närrisch wird und mit Identitäten spielen kann. In der Wildnis gibt es keine Ruhe, die Gefahr ist überall und es ist gar nicht die Zeit, mit der Idee eines festen Charakters zu spielen.
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Mein Selbstgefühl von Noise Jazz und Koffeintabletten an der Nase herumführen lassend, schummriger Blick, torkeliges Misstrauen, alle Worte in Überforderung zerreibend, über sämtliche Muster und Strukturen steigend unempfänglich sein wollend für Fragen und Antworten dieser Gesellschaft, leuchtet mir die größte Verantwortung aus den Augen, die des gelesenen Autors.
Mit Gedichten kann man keinen Blumentopf mehr gewinnen. Mein Kopf ist ein üppiger Blumentopf und ich schäme mich dafür. Man muss sich größer machen, als man ist, um im Büchermarkt wahrgenommen zu werden.
Die Sehnsucht nach einem üppigen, bunten Garten, fern von Menschen und Maschinen. Den ganzen Tag zwischen Bäumen und Blumen sitzen und nichts tun, bloß Tee trinken und in die Welt schauen. Einmal am Tag einen schönen Satz aufschreiben, der aus einem vollen, stillen Herzen kommt. Den Körper und das Bewusstsein entgiften. Meditation.
Im Vollmond singen, laut herumschreien. Riesige, unglaubwürdige Gebärden machen. Extremes Übertreiben, um aus der Routine zu kommen und zu sehen, was noch da ist. Es muss doch noch etwas Anderes da sein! Es ist immer noch was Anderes da, es ist immer noch etwas Anderes möglich!
Hier unten bist du frei wie eine Ratte. Lass dich von deiner Abgelöstheit nicht auflösen, halte mit klaren Worten jede interessante Sehnsucht lebendig, so banal sie auch scheint: letztlich ist alles banal, wenn man es erstmal verstanden hat.
Lass ruhig deine Schmerzen mit deiner Bosheit spielen. Glaub nicht, dass du gescheitert bist, bloß weil deine Worte gescheitert sind - weil sie scheitern mussten.
Jeder Moment ist der passende Moment für eine große Tasse Mate-Tee.