Ein koffeinhaltiger Schrei und die Menschen sind nicht wach genug, ihre Munterkeit ist eine Maske, ihr Herz ist unterfordert und ich verfluche die ganze Maschinerie ihrer Selbsterhaltung; und ich glaub nicht dem Auto, das über meine Füße fährt und nicht dem was dein Herz sagt, wenn du mich nicht siehst. Wir können uns in dieser Stadt nicht entspannen. Ich glaub nicht dem Wasser, das wir jeden Tag trinken und auch der Musik nicht, die mich zusammenstaucht, Vergangenheit sammelt sich an, solang bis meine Wohnung allen Wiedererkennungswert verloren hat und ich glaube auch den Hoffnungen der Vaterlandsliebenden und der Marktliebenden nicht. Ich erhebe meine Zeigefinger und fahre damit durch den verregneten Himmel: you can't be funky in a town like this.
Du gehörst nicht hier her. Du musst nicht wissen, wohin du gehörst, um zu wissen, dass du nicht hier her gehörst. Etwas passiert in deinen Träumen, aber nichts passiert in diesem Bett, in dieser Wohnung, auf der Straße, in der Stadt. Traurige Gesichter kameraüberwacht; einsame Herzen sind verdächtig, ein unerreichbarer Körper unter der Bettdecke, blutendes Zahnfleisch, süßliche Blähungen - vergiftete Körper bringen giftige Worte zur Welt. Hier passiert nichts mehr, aber die Kameras warten, die Kameras warten Tag und Nacht und selbst deine Freunde erwarten konkrete Resultate und deine Eltern erwarten, stolz auf dich sein zu können. Ich erwarte weder Resultate, noch will ich stolz auf dich sein. Ich würde dich umarmen, wenn ich nicht nur ein Buch wäre.
*
Das leere Papier ist fröhlich. Wenn Schweigen das Einfachste ist, erschleicht sich der Dichter seine Beute: wenn das Bewusstsein sich abstrampelt am Körper, der sich am Raum abstrampelt und an der Zeit, rücken wir von der Ausgangsfrage weg. - Jede Identität schützt in ewigen Wiederholungen vor allem, was am Dasein undefiniert ist. - Langeweile entfaltet den Kern des Selbst, der immer schrecklich ist, ein kalter, verklemmter, schiefer Tyrann, der gegen sein Wissen sich traut, aufrecht zu gehen. Die Dynamik des biologischen Systems, in dem wir stecken, arbeitet gegen unsere Lust auf komplette Selbsterkenntnis, und noch gegen unsere Angst davor, "auf die schiefe Bahn" zu kommen.
Das Koffein gaukelt meinem Körper vor, dass das Leben ihn will. Wann werde ich auch diese Quelle des Selbstbetrugs ausgeschöpft haben? Wieviel Mogelei wird mein Herz noch mitmachen? Gab es jemals eine Zeit in der Weltgeschichte, in der das Leben ohne eine derart peinliche Übertreibung von Gefühlen möglich gewesen wäre? - Wenn ich mein Gehirn mit dem Koffein-Alkaloid stimuliere, weiß ich, dass alles, was ich empfinde und denke und tue, so definitiv unangemessen ist, dass für mich der Stolz wie die Scham darüber ebenfalls unangemessen sind: also zementiere ich die letzte mir verfügbare Freiheit, bevor der Markt und der Staat mir alles wegnimmt.