Meine Angst vor den Identitätsproblemen der Deutschen ist nicht nur historisch, sondern auch biographisch begründet. Ich habe den bösen Geist der Deutschen in Büchern kennengelernt und dann ganz leiblich und seelisch erfahren durch meine depressiven, suchtkranken, aggressiven, lieblosen Eltern, die typische Wendeverlierer sind und immer bleiben.
Menschen wollen sich mit etwas identifizieren: wenn sie nichts Gutes finden, nehmen sie auch mit etwas Bösem vorlieb. Wenn sie sich nicht mehr mit einem Staat oder einem (neuen) Bundesland indentifizieren können, so identifizieren sie sich mit einer Stadt oder einer Region: das Erzgebirge ist so eine Region, eine düstere Ödnis, dekoriert mit miefiger Tradition und grundiert mit einem endlosen Strom des Meckerns. Fern von lebendigen Großstädten, vielfältigem Kulturangebot und wirtschaftlichem Optimismus, wartet hier die Kleingartenbevölkerung auf einen charismatischen Faschisten, der von alten Abendröten phantasieren und zu Widerstand und Gewalt reizen kann.
Ich möchte ein fröhlicher Antifaschist sein: deshalb will ich all das gründlich hinterfragen, was den Faschisten Mut macht - also kritisiere ich nicht nur Geschlechterstereotypen, Ernährungsgewohnheiten, Fortbewegungsmöglichkeiten und Popmusik, sondern auch Begriffe wie Identität, Freiheit, Heimat und Thüringen.
Braucht es die neuen Bundesländer in ihrer jetzigen Form? Kann man sich den Osten nicht auch neu denken?