Rausch und Wahrheit

Wenn wir nichts Äußeres haben, das unser Leben definieren soll, kehren wir uns nach innen und finden eine Puppe, an die wir nicht glauben können. Also was tun? Wir schicken THC in den Organismus. Ein läppischer, aber ernst gemeinter Mittelfinger in die Gesichter der Strebsamen, der Geltungssüchtigen, der Besitzgierigen, der hygienischen Kleingärtner. Äußerlich können wir uns ganz schnell und einfach von der hart arbeitenden, bescheidenen, gefügigen Bevölkerung distanzieren, viel schwieriger wird es, das loszuwerden, was sie uns an Demut, Strenge, Kälte, Feigheit, Verklemmtheit und Trägheit in unseren Körpern, tief in den Knochen, tief im Gehirn hinterlassen hat. Keine Verzweiflungstat, kein Ausbruch irrationaler Kräfte, keine Verkrampfung soll uns peinlich sein, um loszuwerden, was wir loswerden müssen. Wie lang kannst du auf Kompromisse verzichten? Wie lang kannst du dich an das Ideal deiner Befreiung festhalten, Demien?

Es ist sehr wichtig, dass man sich klar macht, welchen Rausch man gebrauchen kann und welchen nicht. Ich empfinde es als Bosheit und Dummheit, dass Cannabis illegal und Alkohol legal ist. Nur Leute, die ein beschissenes, nerviges, aussichtsarmes Leben haben, sind körperlich und psychologisch in der Lage, eine Alkohol-Sucht zu entwickeln und ich kenne so viele dumme Menschen, die weder mit Gras noch mit Alkohol umgehen können. Dass eine Gesellschaft Alkohol in unbegrenzten Maße erlaubt (und damit eine Abhängigkeit der Konsumenten in Kauf nimmt), aber Cannabis den Krieg erklärt, sagt so ziemlich alles über das herrschende Menschenbild aus. Ich sehe schon wieder das kalte, garstige Gesicht von Volker Kauder.

Unser Körper ist viel zu stabil, als dass wir uns eine wirkliche Vorstellung von der Instabilität unserer Umgebung machen könnten. Wir wissen, dass wir ein Körper sind und dass unsere physische Präsenz mit der physischen Präsenz der instabilen Welt gekoppelt ist. Die extreme, unvermeidbare Verbundenheit mit der Welt und unser Ich stehen sich feindlich gegenüber.

Die Tatsache, dass Menschen sich körperlich so viel ähnlicher sind als weltanschaulich, lässt eigentlich nur auf eine pharmazeutische Lösung allen menschlichen Übels hoffen - die Frage ist, ob synthetisch oder pflanzlich. - Stellt euch mal vor, keiner hätte mehr eine Meinung, sondern gleich mehrere. Wieviel Möglichkeiten jeder hätte!

Alles was nicht Euphorie ist, ist Depression. Alles was nicht Euphorie ist, ist Depression. Alles was nicht Euphorie ist, ist Depression. Alles was nicht Euphorie ist, ist Depression. Alles was nicht Euphorie ist, ist Depression. Alles was nicht Euphorie ist, ist Depression. Ich hab noch nie was geschrieben was ich so meine. Euphorie ist ein abgeschossener Adler, der im Sturz verblutet.

Je mehr Phantasie man hat, desto schöner kann man sich die Zukunft vorstellen und nur die Allerdümmsten können sich nicht das Grauen vorstellen, das möglich ist.

Der Depressive gehorcht, ohne zu glauben, der Manische glaubt, ohne zu gehorchen.

Faulheit ist Symptom einer Depression; und eine Depression muss man erstmal erforschen, um sie richtig beurteilen zu können, sie ist die Folge von etwas und keine Ursache. Ich zerkaue diese Gedanken auf der Suche nach einer roten Linie in meinem Leben. Meine Drogenerfahrungen strukturieren diese entscheidenden Monate oder Jahre. Weil es kein ultimatives Ziel gibt, ist jeder Moment gleich wichtig: in jedem Moment hast du die Möglichkeit, dein Leben radikal zu verändern: so wie das DXM, das in Hustenstillern zu finden ist, das Ego blockiert und dich damit erweitert, kannst du dich sofort abspalten, wenn du einfach das Gegenteil von dem machst, was du bisher gemacht hast.

Die sinnloseste Euphorie ist die beste. Das grundlose, wirkungslose Strahlen im dunklen Zimmer; in der Ecke hocken und in den blauen Morgen schauen.

Soll ich mein Leben so gestalten, dass es Euch interessieren könnte? Oder soll ich mein Leben so gestalten, dass ich nicht auffalle? Jede Ameise in meinem Kopf will die größte Ameise sein.

Die Entscheidung, was ich schreibe und was nicht, hat irgendetwas mit meinem Gesicht und meinem Grabstein zu tun. Alles was ich schreibe, versucht dieses Irgendwas zu ergründen.

Entscheidungen werden so endgültig gefällt wie Bäume. Jeder gegangene Weg ist der Tod aller anderen Möglichkeiten. Wenn ich in der Lage wäre, meine

Möglichkeiten zu erweitern, wäre ich nicht mehr an mein Ich gebunden. - Bedeutende Entscheidungen wollen nicht mit der Axt, sondern mit Zahnseide gefällt werden.

Mit jedem Drücken auf einen falschen Knopf verliere ich einen Teil meines Selbst und stürze in die Bodenlosigkeit sämtlicher Möglichkeiten.

Wenn man Stacheln hat, hat man auch Lust, diese Stacheln gegen wen auch immer einzusetzen. Die Lust an der Bewegung, das Glühen des Rausches ist das Zentrum jeder Moral, der Ausgangspunkt jeder Revolte und das Ende jeder Schrebergärtner-Phantasie. Ich liebe es mich zu wiederholen, ich bin ein kluger Brummkreisel, Noise Jazz ist gut für die Darmtätigkeit, alles muss weiter verdichtet werden.

Ich würde gern irgendetwas repräsentieren, ich würde mich gern mit dieser Stadt verbunden fühlen. Von wem lass ich mich mitreißen? Wer außer mir hat eine Verwendung für mein Gehirn?

Der beobachtende Zustand eines Schriftstellers ist nicht die einzige Perspektive, die man einnehmen kann, um Cannabis kennenzulernen. Ich habe erstmal eine Weile genug geschrieben, ich muss die Garage verlassen; unheimlich Lust etwas mit Leuten zu machen, bestenfalls Musik. Ich muss mich öffnenm, ich will irgendwo kleben bleiben. Ich würde mich so gern auf bestimmte Menschen verlassen, aber ich trau mich nicht.

Ich stehe seit Jahren einfach nur blöd im Gang rum. Ich weiß nicht, ob ich was zustande bringen könnte, wenn ich mich mehr bewegen würde. - Ich halte dir das Schwarz dieser Buchstaben entgegen. Ich würde dich so gern kurz küssen, hoffend, dass wir noch lebend aus dieser Stadt herauskommen. Ich vermisse die Unsicherheit zwischen uns, die uns abtrünnig macht, ich möchte mit dir sanft zur Seite knicken, mit geöffnetem vulkanischen Herzen in der Dunkelheit liegen und auf neue Ereignisse warten.

Wir sind unter Überempfindlichkeit bleich gewordene Nichtsnutze, deren einzige Hoffnung es ist, zusammenzuziehen in ein gegen die gefräßige Gentrifizierung immun gewordenes Haus und uns ganz neu und zielsicher zu vernetzen zu einer munter schwitzenden, extrem geschmeidigen Kreativmaschine, die Songs und Filme und Bücher und Happenings und politische Aktionen als Nebenprodukt ihrer unabhängigen, großschnäuzigen, übermütigen Lebendigkeit ausspuckt.

Wir haben nur dieses eine Gehirn, wir sollten es so gut es geht stimulieren, wenn wir schon fast in der grauen, ereignislosen Unterschicht angekommen sind; hier sind alle gierig nach normierten Freunden und normierten Jobs und normierten Funktionen. Was gibt es sonst noch zu tun, außer den Buckel krumm zu machen?

Nichts.

Das Alltagsleben definiert die Qualität des Traums. Indem man den Alltag verändert, verändert man seine Träume. Das bewusste Leben im Wachzustand ist nur ein Werkzeug, um Träume zu erfahren und zu gestalten. Dein Bewusstsein tankt dein Unterbewusstsein auf, dein Ich ist also nur der Tankwart. Der Wachzustand dient dazu, Wartungsarbeiten durchzuführen, Nahrung aufzunehmen und über die Träume zu reden.

Musik erschafft den Raum für bestimmte Gedanken, ihr versucherisches Dahinliegen, ihre grelle, grüne Plörre, geräumiger Geräuschgarten, eine liebe, hoffnungsvolle Tante und die Frage, was wirklich wichtig ist, jenseits der Nachrichten und Romane und Filme. Eine gute Frage, die ich mir mit etwas Gebäck und Milchkaffee stelle. Es geht ja im Grunde darum, was Musik genau anspricht. Mein Fuß ist eingeschlafen und irgendeine Tür quietscht hier. Ich verziehe mein Gesicht wie der Bürgermeister, wenn er sich mit kleinen Babys fotografieren lassen muss.

Wir wissen - und dieses Wissen macht uns stark und unabhängig und geschmeidig: die Psychose ist ein Werkzeug, um uns neu auszurichten. Sie bricht in unsere Routine ein, um uns zu wandeln. "Ich hab nix und du hast nix - lass uns was draus machen", singt Rio Reiser und wedelt uns mit großen, weißen Federn frische Luft zu. Psychedelischen Zustände sind Nachahmungen außergewöhnlicher Kräfte, die man in Situationen bekommen kann, in denen man in Lebensgefahr ist. Todesangst erweitert das Bewusstsein. Der Vorteil psychedelischer Drogen ist, dass man sich diese Erweiterung auch in Situationen zu Nutze machen kann, in denen keine Angst angebracht ist. Der Paranoiker erkennt das wahre Potential, aber kann Wahrscheinlichkeiten schlecht absehen.

Die Pharmaindustrie hat das Monopol für Wahrheit.
Nüchternheit ist demütige Passivität.
Alles was antreibt, macht süchtig.
Alles, was wir unserem Denken unterziehen, zerschneiden und knicken und leimen
und zerreißen und verschmieren wir.
Das Ich vermittelt zwischen Wahn und Welt.
Wo findest du etwas ECHTES zum Anlehnen?

Reinkommen ist immer leichter als rauskommen. Ein psychedelisches Leben ist nicht möglich.