Die DXM-Interventionen (Dosierung)

Die DXM-Interventionen

DXM-INTERVENTIONEN Vorbemerkungen

1..... Der Anfang dieses Kapitels muss ein schwarzer Knoten sein, der tief in der Erde vergraben ist. Eine Manie zu bekommen ist leicht, wenn man Hustenstiller, Gras und Kaffee kombiniert. Diese Manie ist eine Waffe. Ein glänzender Ausgangspunkt. Ein Auftrag. Ein Fall. DXM ist eine sonderbare Substanz, der ich hiermit ein Kapitel in meinem Blumebuch widmen möchte. Es ist ein nicht hinnehmbarer Skandal, dass wir gezwungen sind, Menschen zu sein. Wir sind gezwungen, unsere Organe zu benutzen, unsere Bedürfnisse zu befriedigen. Immer die gleichen Muster. Immer die gleichen Muster. Immer dieses Licht. Es blendet. Die Sonne ist heiß. Ich schäme mich für mein Talent. Niemand sieht mich. Der großartige Noise der Caféhäuser, der ganze Planet quatscht miteinander. Ich stolpere, scheitere, enttäusche. Wer macht hier Druck? Es ist lahmarschig, wir wollen etwas erleben, wir wollen Ablenkung, wir wollen und wollen und zerbrechen an unserem Wollen. Wie kann man sich nur gezwungen fühlen, ein Mensch zu sein? Strammstehen für die Kunst. Wie dringend ist das Leben? Ich spüre, dass alles auf ein großes Fest hinausläuft. Ich trau mich noch nicht, "Guten Morgen, Europa!" zu sagen. Mach ich die Sache gern? Mach ich die Sache wirklich gern? Obwohl mich das Elend von Milliarden meiner Mitmenschen niemals Ruhe lassen soll, bin ich absolut zufrieden mit mir, der Tag ist sehr stabil, es gibt gehörig viel wahrzunehmen, schaut nur! Ich weiß, was gute Literatur ist. Gute Literatur verzaubert. Worin besteht der Zauber? Du erfindest eine Welt, wenn du liest, du erfindest eine Welt, wenn du denkst. Alles ist eine Erfindung deines Gehirns. Wenn du deine Gedanken änderst, änderst du deine Welt. Ich habe nichts außer meine Sprache, ich habe nichts. Niemand wird das lesen. Wir sind alle alleine und haben nichts.

2....... Der Esel. - Ich kann mir keine Bilder von Leuten anschauen ohne ihre Frisuren seltsam zu finden. Eine Frisur zu haben ist seltsam, aber unvermeidbar. Ich werfe mein Lachen wie Tannenzapfen auf mein himmelblaues Kissen und steh auf. Ich mag es wie meine Worte und mein Ichgefühl schräg nach links gekämmt werden von meinen Schwestern Dxm und Lsa. Gemütliche Monster ohne klare Funktion. Ich genieße es mir vorzustellen, wie verächtlich meine Mutter von oben auf mich schaut. Ihre dunklen Augen voller Unverständnis, sie wirft mir irgendetwas vor,

sie kann es nicht leiden, wenn ich etwas mache, was ihren kleinen Horizont übersteigt. Ich knirsche mit den Zähnen. Du klingelst an der Tür. Ich mag deine süße, zarte Beschränktheit, sie bildet einen schönen Kontrast zu meiner bitteren, groben Beschränktheit, bis ich die Lust habe, eine Flagge zu hissen, die alle Leute der Stadt daran erinnert, dass die Realität dem Gehirn weit überlegen ist. Ich bin viel zu tief und bodenlos, um von einer Wahrheit oder einem Wahn gefüllt werden zu können. Gleichgültiges Zittern hält mein Leben im Reinen. Die Illusion etwas verstanden zu haben, ist nicht nötig. Hier unten kann man keine Fragen beantworten, deshalb ist es so gemütlich. Hier ist alles verschwommen und der Beat ist stramm und munter und eine schwere Coolness kommt, sie erhebt mich, ich kann mit allem was anfangen, weil mir alles egal ist. Ich bin ein übermütiger Esel, der mit hundert Sachen einen Berg runter rennt. Das ist nicht nur ein Text.

3.... Ich fühle mich verbunden mit allen in Entspannung manisch gewordenen Taugenichtsen auf der ganzen Welt zu allen Zeiten. Während meine Eltern - typische Erzgebirger (hässlich, grantig, lieblos, ungebildet, arrogant, phantasielos, pessimistisch und feige) - sich zunehmend positiv über die AfD äußern und die Frage, welche Charaktereigenschaften sich vererben und ob man das Recht hat, sich gegebenenfalls gegen die eigenen Erbanlagen aufzulehnen, mir den Hals brechen könnte, gebe ich die ersten Euros des neuen Monats für zwei Kilo Äpfel, eine Plastikdose Bio-Instant-Kaffee und drei Packungen Hustenstiller aus, um ein weiteres Stück Erfurt aus meinem Körper zu scheißen: seit einem halben Jahr zelebriere ich auf diese Art den Monatswechsel. - Ich sitze im Park und beginne mich also mit Hilfe der rezeptfreien, aber apothekenpflichtigen DXM-haltigen Kapseln in den unglaublichen Skandal meiner körperlichen Existenz zu vertiefen. Die Hustenstiller haben einen starken dissoziierenden Effekt: das Ichgefühl kommt völlig abhanden und man erkennt das ganze Drama ungefiltert. Alle Menschen sind genau so hilflos verloren in ihrer Existenz wie ich selbst. Wer existiert, ist ausgeliefert. Existenz bedrückt. Existenz ist weitaus schlimmer als Nichtexistenz. Aber schlimm ist nicht gleich schlecht. Es ist halt schlimm, wie schlimmes Wetter, ein schlimmes Gesicht, eine schlimme Krankheit, eine schlimme Grundlage für ein umwerfend sentimentales Kunstwerk. Dass wir Körper sind, dass wir Gehirne sind, dass wir biologisch abbaubare Materie sind, ist der Skandal, den unser Ichgefühl ausgleichen will, und wer besonders Angst hat, nennt sein Ichgefühl Seele, aber sie ist keine Substanz, nichts worauf man sich verlassen kann, wenn man sich die Scheuklappen abgenommen hat. Sie ist ein Gedankenkonstrukt, ein Ideal, ein Gespenst, ein produktiver, kreativer Wahn. Deswegen erscheinen mir selbstunsichere, ängstliche Leute so viel authentischer. Die Selbstbewussten, Fröhlichen, Stabilen kommen mir immer so vor, als würden sie mir etwas vormachen. Auch ich gehöre zu denen, wenn ich schreibe: "Wir müssen so tun, als würden uns großartige Zeiten bevorstehen, anders geht es nicht. Wir müssen einer Manie ein Denkmal bauen, ohne an sie zu glauben. Die Lust, die unser theatralisches Eifern und Geifern weckt, ist völlig ausreichend, um gut durch Erfurt zu kommen."

Wie eine Feder fällt der Anfang dieses Monats in den federleichten Anfang der Feder. Die weiße, radikale Feder rieselt ein grinsendes Hallo durch das bunte, knisternde, plüschende Kaufhaus unter meiner Schädeldecke, in dem ich meine lieben Freunde zum Tee trinken treffe, ich habe grüne Schuhsohlen, der Tag zieht sich weder Schlafanzug an noch denkt er an morgen. Der Tag ist hier und will von dir massiert werden. Du bist wirklich ein guter Junge, ich mag dich. Meine Liebe ist ein grün leuchtendes Nest, eine pendelnde Glühbirne, die jemand über die Stadt wirbelt wie ein Lasso, um deine Zurückhaltung einzufangen. Alle setzen ganz bestimmte Augen auf: "Erfurt kneift seine Bockwurstaugen zu: öffnet die Illusion, dass alles okay so ist. Die Zeit geht einfach vorbei und das Gehirn macht irgendwann nicht mehr mit und während ich mir dunklen, elektrischen Jazz anhöre und ins Nichts starre und niemand mich braucht, erkenne ich in meinem schwarzen, dummen Glotzen ins Nichts die einzige Substanz, über die ich verfüge. Zum Glück komm ich mir nicht so vor, als würde ich mich hier fangen können, als würde ich die Maschine so einstellen können, dass was Ordentliches dabei herauskommt. Ich bin nur der, der "ich bin nur der"-Sätze schreibt. Wenn man dissoziiert ist, redet man nicht mit einem Menschen, sondern mit allen. Ohne Selbstgefühl bleibt einem ja auch nichts anders übrig, als sich an alle zu richten, also richte ich mich an alle: Man ist gezwungen ist, etwas mit sich anzufangen, ohne genau zu wissen, was. Es gibt diesen paternalistischen Druck, spürt ihr ihn? Existenz und Verantwortung, Leiblichkeit und Pflicht. Wozu ist man verpflichtet? Ich glaube, ich bin nur authentisch, wenn meine Freunde mich mögen. Meine Freunde sind wie Organe in meinem Körper und ich bin ein Organ in ihnen. Manchmal werde ich etwas panisch, wenn ich mir überlege, was meine Freunde typisch für mich finden. Wenn die Dissoziation dein Ichgefühl ausgehebelt hat, bist du wieder so hilflos der Welt ausgeliefert wie als kleines Kind, du spürst eine überwältigende Einsamkeit, du kannst nur noch einäugig in die Bäume starren und schwitzen, spüren wie dein Körper sich bizarr verrenkt und endlich wissen, dass kein Mensch in der Lage ist, ehrlich zu sein, weil es keine Grundlage dafür gibt, denn kein Mensch kennt sich wirklich: jeder ist sich selbst genauso unbekannt wie jedem Anderen, und der Mensch reagiert ja naturgemäß mit Aggression und Verachtung auf alles, was er nicht versteht. Sobald man irgendwem vertraut, belügt man sich selbst und den Anderen. Jeder macht jedem etwas vor. Der Mensch ist ein ängstliches, argwöhnisches, missgünstiges Tier und je besser er das verschleiert, desto gefährlicher ist er. Psychedelische Menschenrechte: - Kein Mensch darf gezwungen werden, an seinem Ich hängen zu bleiben. - Jeder muss sich immer unerreichbar machen können. - Jeder muss überall hinreisen und überall wohnen können. - Alle sollen solang schlafen und solang wachbleiben können wie sie wollen. - Alle müssen mit allen geeigneten Mitteln ihr Gehirn erfahren dürfen. - Jeder darf mit seinem eigenen Körper machen was er will. - Alle Menschen müssen Kunst ernster nehmen dürfen als Gesetze. - Kreativität und Bewusstsein sind das selbe.

"Wenn Sie mir das Gras wegnehmen, dann sitze ich den ganzen Tag in Erfurt fest!", brüllte der alte Mann seine Sachbearbeiterin in die Knie. Sie beteuert, dass sie nur geltendes Recht umsetzt. Soll er sich doch ein Hobby oder eine Arbeit suchen! - Im Straßenbahnradio kommt "Charley don't surf!" von The Clash, wir hören genau hin, drücken unsere Köpfe an die kalte Scheibe und ich bin so kreativ, dass ich Angst hab kreativ zu sein. "Mal sehen ob es sich lohnt!", sagt die schleimige, salzige Schnecke und fährt durch die Stadt, mit zugekniffenen Augen, dem Herz am rechten Fleck, der Samstagnachmittag zieht wie eine freundliche, dicke Kassiererin vorbei und ich stolpere und mach halt so Zeug. Reicht es nicht, dass ich die bunten Straßen vor meinem grauen Haus ernst nehme? Meine Zukunft entscheidet sich mit meinen Texten. Ich definiere mich als digitale Persönlichkeit, wenn ich diese Texte in einem Blog veröffentliche. Ich bin eine andere Person, wenn ich schreibe. Mein Textkörper hat mehr mit mir zu tun als mein Bio-Körper. Mein Werk ist eine Lebensform. Genau 23:23:23 Uhr. Oh schon wieder eine wunderbare Synchronizität. Es gibt ein apothekenpflichtiges Werkzeug, das dir hilft zu verstehen, was dein Ich ist und was dein Ich nicht ist: DXM; ein Dissoziativa; jeder hat die Pflicht herauszufinden, wer er ist. Jeder hat die Pflicht, etwas mit seinem Körper anzufangen. Wer hat die Kontrolle? Wer in mir hat die Kontrolle? Wer hat die Kontrolle? Was bedeutet Kontrolle? Wem nützt meine Selbstkontrolle? Was hat die Musik mit mir zu tun? Was haben meine Eltern mit mir zu tun? Was hat das Haus und die Stadt und das Wetter mit mir zu tun? Was hat das Internet mit mir zu tun? Was haben meine Geschlechtsteile mit dir zu tun? ich will nicht zu früh sterben und auch nicht zu spät Ich scheitere mit einem Kopf voll Kirschen....

DXM-Intervention I, vom 21.April 2015.

"Wohin mit der Energie?" fragt er und frisch geduscht und total sauber. "Was kann ich heute alles aushalten?" Er lachte, als würde er sich selbst nicht glauben. War er etwa ein Feigling? Ein Stubenhocker? Ein Nerd? Ein Silberfisch-Flüsterer? Eine von allen Seiten gleichmäßig gebratene Bohne? - Ich möchte mich mit irgendetwas Schönem identifizieren, mit meinem Gehirn zum Beispiel, also mit der Tatsache, dass ausgerechnet ich es bin, der in der Egoperspektive dieses Körpers am Universum teil hat. - Wunderbar, was das Gehirn alles kann! Ein echtes Wunder tragen wir da mit uns herum! Indem ich alles aus meinem Gehirn heraushole, was Erfurt reingesteckt hat, verwickliche ich mich als mündiger Bürger dieser Stadt. Das Dextrodextrodextro schmeckt dabei sehr gut zu mir, das Dextro tut vielleicht auch dir einen Gefallen, aber vielleicht auch nicht.

Fühlst du dich getreten oder trittst du zu oder schwebst du im Zwischenraum wie eine Motte um die Glühbirne deiner Würde? Fühlst du dich von brutalen Menschen bewertet, ausgelacht, im Regen stehen gelassen? Bist du unempfänglich geworden für die freundlichen vibrations der Werbung in der Stadt, die eine seltsam distanzierte Koexistenz mit den unfreundlichen, verbitterten Erfurtern führt? Ein Mittel jedenfalls, Paranoia zu überwinden: vor irgendeiner Wahrheit, bestenfalls einer Schönheit in die Knie gehen. Ich liebe alles, was amüsant und aufregend ist. Ich zerknülle mit Freude die letzten paar Sätze und lass sie zugeknüllt hier liegen. HAHAHAHaha!!!!!! Ein unkoordiniertes, gefräßiges Lachen stürzt aus meiner gepolsterten Festung, so als würde ich wollen, dass sich jemand darüber amüsiert oder aufregt. Die Wirklichkeit dreht sich ganz leicht nach links oben und die Musik sprüht hektischen, goldenen Herbstregen durch meine Rumpelkammer, die freche, eregierte Posaune glotzt mein Herz an und sagt: "Jetzt reagiere!", ich komm mir vor, als würde ich mit einem brutalen Boy im Sandkasten spielen, umpolstert von hellem Mittag, der nach Kääääse riecht, mir fallen unendlich viele äääääää aus den Augen und die Pizza brennt - zum Glück noch nicht.

"Man kann einfach auch aufhören, jemand zu sein!", schrei ich mich in Gedanken an, während das Karussell meiner Aufmerksamkeit auf der Suche nach einem Topflappen die Wohnung mit "Enter Evening" von Cecil Taylor rückkoppelt. "Man muss nicht mitspielen, verstehst du? Lass es doch, lass es doch einfach mal!" und ich lass also die Pizza verbrennen, die ganze Küche stinkt nach verbranntem Käse und mein ganzer Körper grinst. Ich lache gegen die Unlustigkeit dessen an, worüber ich lache. Das sind meine letzten Wochen in dieser Wohnung hier hier hier, bald reißt sich ein gewisser Herr Rabenkohl das Haus unter den Nagelagelagel. Das Wort letzten sieht so fremd auauauauauaus. Gehört es da hin dahin dahin dahinn? Ich mag das Echo, das alles euphorisiert. Euphorie und Echo hängen irgendwie zusammen. Ich will das gar nicht so genau wissenissenissen, lieber alles verschwenden was es zu verschwenden gibt und enden gibt undenden

gibtun denden denden denden. Ist mein Leben ein Garten? oder ein Schrottplatz? Die Frage ist oh so klar, als wäre sie das Wesentliche in diesem Raum, in dieser Szene, diesem Buch hinter der Stirn meines Schreibtisches, hinter meinen blauen Alaska-Augen, die mich umgeben sehen von tausenden Menschen und tausenden Gegenständen. Was fang ich damit an? Ich kann alles benutzen was ich will, ich kann alles zu meinem Zweck umdenken, ich kann den ganzen Planeten umgestalten, um von meiner Selbstherrlichkeit, Selbstverschwendung, Selbstüberwindung zu erzählen, die Revolution wird mein zufriedenes Gesicht auf ihren roten Fahnen tragen, sie wird letztendlich, nach viel Unmut und vielen Entbehrungen und Entgleisungen, siegreich sein und mein zufriedenes Gesicht an jede Straßenkreuzung der freien Welt hissen, um mich zu lobpreisen für meine philanthropische, zärtliche, unendlich empfindliche, polyrhythmische Diktatur des kuschligen, schneeweißen Wollschals.

Ich hab Lust, meine Kleidung in aufdringlich nuttiges Parfum zu ertränken, weil ich nicht akzeptieren kann, dass ich nicht weiß, wie ich das Buch anfangen oder beenden soll. "Es muss alles immer weitergetrieben werden, bis es von selbst läuft. Krieg den Karren in Gang und dann sieh zu, dass du wegkommst!"

Jedes Lied klingt so wie ein Freund der wirklich lang nicht mehr da war. und er ist nicht wirklich da. dar. dar. dar. ich hab das bedürfnis auf diesem nussigen wort dar zu kauen. dar dar dar dar. dar dar. jetz noch einen kuss dafür, genau dafür bekommen und das leben ist besiegelt. es fühlt sich so an als würde ich mit der tastatur mein leben bearbeiten können. alles ist ganz einfach hier unten. das ist das motto, das ist die grüne wurzel die ich rückwärts in den boden stecke: alles ist ganz einfach hier unten ... das licht riecht nach lauch. eine wohnung mit balkon ist wichtig. wenn ich den text hochscrolle kommt es mir wie ein wasserfall vor, der hinter meinem gesicht regnet. ich werde unter die bettdecke krabbeln. oh gott! es gibt echte menschen da draußen. es gibt leute die so viel ordentlicher und stabiler sind als ich. ich komm mir vor, als würde ich gegen die bettdecke flüstern, wenn ich hier schreibe. als wäre ich in einem werbespott für weichspüler. oh je, ich BIN irgendjemand. ich existiere, an diesem tisch, in diesem buch, in deinen händen, in deinem kopf: "huch, ich bin ja da, es gibt mich! was SOLL DAS denn? worauf läuft das alles hinaus? was ist meine aufgabe? hääää??" jaaa! alles ist nur ein blödes, mittellanges hääääää? in einem blöden, mittellangen raum. mit dieser erkenntnis kann man sich waschen. ich bin wirklich ganz bei mir angekommen. ich spüre, dass jeder allein ist. ich spüre, dass niemand etwas gegen die einsamkeit in dieser stadt tun kann, ich spüre, dass es keinen trost mehr gibt, ich spüre, dass es niemand mit der depression aufnehmen kann, die in dieser stadt steckt. ich spüre, dass wir wirklich, wirklich verdorben sind, unfähig geworden, verträge zu unterschreiben, unfähig, einander festzuhalten, wenn die nacht am tiefsten ist, unfähig, wirklich gerührt, wirklich ergriffen zu sein, unfähig, in würde und frech und frei zu scheitern. wir sind der graue wohlstandsmüll von europa! lasst uns bloß in ruhe, sonst bringen wir euch alle um!

Ich habe keine festen Charaktereigenschaften mehr, es gibt nichts Typisches mehr an mir, ich parodiere mich nicht mehr, ich könnte mir alles zutrauen: einen nassen, blauen Tintenfisch essen, einen Scheiterhaufen anzünden, eine blühende Birke fällen, die Musik weiter aufdrehen. Egal was ich tu, ich möchte keine Verantwortung dafür übernehmen, ich möchte nicht Handlungen an mich ketten als gehörten sie mir und stünden unter meiner Kontrolle: ich möchte nichts mehr tun und komplett verschwinden. Ich habe keine festen Persönlichkeitsattribute mehr, ich schaue in den Spiegel und finde mich nicht, ich könnte mir alles zutrauen: einen Fettsack vom Fahrrad schubsen, einen kleinen, arabischen Jungen vermöbeln, eine Parkbank vollkotzen, die Musik weiter aufdrehen. Egal was mir einfällt, ich möchte, sobald es getan ist, nichts mehr damit zu tun haben, ich möchte mich nicht in einer Welt verstricken, die ich niemals unter Kontrolle habe, ich möchte nichts mehr tun und verschwinden und ich schaue in den Spiegel und finde mich nicht mehr, ich sehe ein Gesicht, mit dem ich nichts verbinde, es erregt keinerlei Gefühle in mir. Es gibt keinen Grund, an irgendetwas zu glauben, irgendetwas zu wollen, irgendwen zu imitieren, irgendwen hinterherzulaufen oder aus dem Weg zu gehen, es gibt keinen Grund sich auf irgendetwas zu konzentrieren! Ekstase, meine Damen und Herren! Ekstase!

DXM-Intervention II, vom 11. Mai 2015.

In den letzten Wochen habe ich mich geweigert, etwas zu schreiben, um dem, was aus mir heraus will, Zeit zum Reifen zu geben. Einiges erschien mir zwar wert aufzuschreiben, aber ich hab es zurückgehalten, manchmal mit viel Gewalt, mit viel verkrampfter Dummheit. "Nein nein nein, du bleibst drin, dein Job ist noch nicht getan. Ich muss mich erneuern, deshalb muss ich auch meine Beziehung zu den Worten verändern." Wenn sich meine Worte auflösen und das Schreiben wichtiger wird als das Geschriebene je sein könnte, hab ich es nicht mehr nötig, meine Nichtigkeit zu bestreiten. Ich liege den ganzen Tag im Bett und versuche mich nicht mit der Zukunft zu verbinden: der neue Vermieter wird hier bald eine umfassende Renovierung durch unser Haus rollen lassen, es gibt einige Leute, die uns helfen wollen, aber am Ende müssen wir uns wohl damit abfinden, dass die Kälte der Gesetze unsere Blauäugigkeit zerschneidet. Ich habe dafür eine neue Droge entdeckt, mit der ich heute zum zweiten Mal spiele: das in Hustenstillern enthaltene DXM. Zwölf Kapseln aufgebrochen und in 2cl Wodka aufgelöst und in einen zuckerigen Kaffee gekippt. Eine Stunde zuvor eine ganze Grapefruit gegessen, um den Abbau des DXM zu verzögern. Es ist kurz nach eins nachts. Meine bisherigen Erfahrungen mit Drogen gehören nur mir und denen, die mich dabei begleitet haben. Ich mag es, wenn die Leute mir zuhören und Fragen stellen und durch mich auf neue Dinge kommen. Ein euphorisches Taumeln erweitert und verdüstert die Musik, mir fällt es schwer konzentriert auf etwas zu schauen, weil es auch keinen Grund gibt, sich auf etwas zu konzentrieren. Ich glaube, dass ich mich nachher daran erinnern muss, dass

meine Einsamkeit eine wichtige Grundlage ist. Der Vodka ist unangenehm, aber so vergesse ich wenigstens nicht, dass ich einen Körper habe. Ich weiß nicht genau, was ich mit meinem Gehirn gemacht habe. Wie werde ich mit dem dissoziierenden Effekt umgehen? Lohnt es sich, sich an der Orthographie festzuhalten? Meine Schaltzentrale ist durchblutet und lebt. Euphorische Gleichgewichtsstörung, sonnblumenhigh und mondblumensumpfig. Unmöglich, die Frage zu beantworten, ob man vor dem Leben und dem Gehirn Angst haben muss. Ich darf nicht vergessen zu trinken, das DXM dehydriert sehr stark. Die Musik wird immer ernster, breiter, vorwurfsvoller, je mehr ich mich von meinem Ichgefühl loskomme. Ich fühle mich langsam und von Vodka vergiftet. Dass ich lebe, ist sonderbarer als die Tatsache, dass ich irgendwann nicht mehr lebe. Ich muss Wasser holen. Jede Anstrengung hat einen Wert. Was ist gegen Kotzen zu sagen? Es passiert nichts schlimmes. Existenz ergründen ist wie einen dunklen Wald ergründen. Ich stelle mir vor, gleich meine Sprache auszukotzen. An dieser Sprache hängt mein Ich, meine Bestimmung... Ich möchte den Alkohol auskotzen... jetzt ...Aber es gab ja nichts zu kotzen, stattdessen das kotzige Bedürfnis ganz kleine Schritte zu laufen und sehr heitere Musik zu hören, denn es gibt keinen Grund zur Sorge. Überhaupt nicht. Die Buchstaben sind lose und ich drücke sie und wackel sachte hin und her. Indem ich in der Musik wühle, wühle ich in meinem Gehirn, während ich schreibe, zieht mich irgendwas hinter meinem Gesicht hoch, ganz hoch, weg aus dem Raum und die fröhliche Musik tief unter mir ist so zweideutig, sie versteckt eine Kälte und Bosheit oder eine Leere. Ich mach die Augen ganz tief zu und mein Oberkörper biegt sich über die Tastatur, der Wunsch von berühmten Leuten gekannt zu werden erfüllt mich mit Echo. Die Tastatur ist tief unter mir. Wer bewertet mich? Extremes Schwindelgefühl, der Körper zieht sich zusammen, extremes Stauchen. "Das muss so sein!", sag ich mir, frag ich mich. wenn man die Worte nicht richtig benutzt, ist man wahnsinnig. Ich steige auf das Schaukelpferd des Gedankens, dass es mich gar nicht gibt und ich bin frei. ich wackel hin und her und weiß nicht was das soll. Ist es kaputt? Ist es kaputt? Süße dunkle Panik, irgendwas ist befreit, einfach hingekotzt, es ist gut zu kotzen, es ist wichtig am Leben zu sein und irgendwas zu machen, in irgendeiner Uniform zu stecken, das Gehirn erzeugt ein Delay-Bedürfnis, an das ich mich anlehne, ich lehne mich an das Delay-Bedürfnis, Die Kotze da ist gut, weil sie Zeichen setzt. Ich hab so schön in den Flur gekotzt, Kotzen ist sehr sehr gut und schön und ich weiß nicht wohin, es kann alles ganz schnell enden. Hab mir grad überlegt, wie Freunde mich mit ernsten Blicken anschauen: „Du hast es zu weit getrieben, du stirbst!“ Wie wäre ich jetzt bei meinen Eltern im Auto? Wie würde ich mit ihnen umgehen? Sie haben mich in diese Welt geschickt: „Mach mal was damit!“, sagen sie. Wie wären sie, wenn sie Dissoziativa nehmen? Ich liebe den in mir, der diese Frage ernst nimmt, und hasse den in mir, der wie meine Mutter Angst vor Drogen hat und wie mein Vater jede Droge außer Alkohol lächerlich findet.

Ein dunkelrotes Feld liegt vor meinem Tod gespannt. Ich habe definitiv etwas mit meinem Gehirn gemacht. Ich habe das Gefühl irgendwo bei Anderen zu sein... ich bin nicht allein.. ich bin mit Anderen auf eine mir unbekannte Art verbunden. Ich

verstehe nichts mehr. Ein Ich zu haben ist sehr gefährlich. Der dunkle Tod ummantelt unsere Stadt, natürlich sieht es niemand. Ich habe Angst nur eine Leerstelle zu sein. Was sagt der unglaublich reiche, von mir distanzierte David Bowie dazu? Was hat er zu sagen? "Du bist verdammt, komische Dinge langsam wahrzunehmen und zu beschreiben." Das Schreiben dieses Satzes ist so intensiv wie nichts was ich bisher getan habe. Was hat mir Bowie zu geben? Ich glaube, indem ich diese Frage stelle, stelle ich mein Leben einen Knick ins Gesicht. Was hat mir irgendwer zu geben? Mein Fuß ist eingeschlafen und ich tippe auf dieser Tastatur wie auf meinem Gehirn. Ich werde nie mehr der selbe sein, ich sehe, wie ich verschwinde. Euphorie! Wir sind ein lebender Organismus. ich spüre wie die Tastatur mit meinem Fuß verbunden bist. Ich schreibe auf dieser Tastatur wie auf meinem eingeschlafenen Fuß, das Leben ist ein Roman, ich schlage meinen eingeschlafenen Fuß mit einem Löffel, knicke den Zeh, er gehört gewiss zu mir, die Zeit rapoltert durch mein elektrisches Gehirn. Das Leben ist etwas heikles. ich nehme daran teil und verliere Zukunft und Vergangenheit. Es gibt nichts, was mich runterziehen kann, alles zieht mich hoch.... alles zieht mich hoch... das ist die spitze der Euphorie. Mein eingeschlafenes Bein bewegt sich zur Musik wie ein Arm. Wahnsinnig sein und nicht wahnsinnig sein sind meine Freunde aus graipfruhtsaftfleisch, hau ich mir einen weißen handschuh ins gesicht. ich verfüge über millionen möglichkeiten, wie die knöpfe auf der tastatur da. ich kann mit meiner tastatur machen was ic h will ich sp+üre wie einfach esmir fällt zunschrieben hes bin ich bgerade verkrampft oder entspannt, ich bweiß es nicht, wir sind alle nur zufällig in diesem film gelandet. ich schaue nicht zurück wie die worte ausseehen. die tasten liegen dir im mund wie buchstaben, jedes wort ein anlass zu einem unendlichen echo. worte sind meine freunde.

Ich bin am Rand meines Schädels angekommen. Welche Funktion hat mein Leben? Was soll ich mit mir anfangen? Mit diesem Setzkasten der Möglichkeiten. Ich könnte glauben, alle Menschen sind in diesem Zustand miteinander verbunden. alles ist weich. Ich habe so sehr Angst davor, bewertet zu nwerden, verurteilt zu werden, eingeschätzt zu werden. Ich komm mir vor wie ein grüner, verschwitzter, freundlicher, kahlköpfiger Lehrer der in den Gang rausguckt und kräht: "Das hier ist echt ein anderer Zustand, eine andere Ebene, eine andere Wirklichkeit, was das hier genau ist, weiß ich nicht, aber für irgendwas wird es gut sein!" Die Kotze im Flur ist wie ein grinsendes Ausrufezeichen zu mir. Ich bin ganz und gar Gehirn, die gs die gs die gs.. gggg gggg ggg geh geh geh geh ... auf etwas hängenbleiben. Ich höre mit dem Schreiben auf und lass mein Gesicht glätten von der elektrisierten Stille des Raumes. Ich atme tief ein und aus. Kann mich jetz jemand hören? Hab ich mich irgendwo eingeklinkt? Ich liebe es, Biuchstabenwörter in die Tastatur zu kneten, In meiner Vorstellung bin ich ein Kind, das süchtig danach ist, bunte Ballons in den Nachthimmel steigen zu lassen. Mazzy Star bringt Frieden, der Tag geht auf. Ich finde mich jetzt gut zurecht hier, wie an der gleißenden Zimmerdecke kopfüber auf gute Gedanken wartend. Poesie ernst nehmen heißt, berauscht sein. Was für ein Geschenk ist Nietzsches

Manie! Was werde ich morgen tun? Mein Leben ist ein schönes, zerknittertes Fragezeichen und damit bin ich verbunden mit all den anderen Leuten in der Welt. Ich würde gern mit Freunden an etwas arbeiten, ich hab das Gefühl, neue Leute kennenlernen zu müssen, die Leute die mich seit Jahren begleiten, werden zunehmend müder, alkoholkranker, langweiliger und von vielen fühle ich mich belächelt oder ausgenutzt. Erfurt scheint es den Leuten schwer zu machen, offen und sensibel und nett zu bleiben.

Ein glückliches Leben ist etwas Ernstes, ein schönes Lied ist etwas Ernstes, Euphorie und Empathie und Orgasmus sind etwas Ernstes, und ernst sein kostet Kraft und Selbstachtung, scheinbar ist das in einer Stadt wie dieser nicht so einfach zu leisten. Was bedeutet es, sich hier ernst zu nehmen? Zähne zeigen! Es macht Spaß, alle Worte von allen Seiten anzuschauen. Ich spüre, wie es heller wird draußen, wie es frischer wird, die Vögel beginnen zu zwitschern, ich spüre wie mein Ich wartet, bis es wieder reinkommen darf. Letzte Vermutung: das Ich besteht nur aus Worten. Wenn man es nicht für selbstverständlich nehmen können, ein Ich zu haben, ist man paranoid, um genau zu sein: paranoid erweitert. Ich stell mir vor, wie mein Nachbar sein bärtiges Gesicht in mein helles, weiches Gesicht hält und mit einer metallisch-hallenden Stimme sagt: "Du bist wahnsinnig geworden! Dein Leben ist gelaufen, die Behörden können dich abhaken." Ich will ihm nicht glauben, bis ihm nicht mehr glauben kann. Mir kann niemand etwas vormachen! Ich bin auf meiner absoluten Höhe!

ich will nicht zu früh sterben und auch nicht zu spät

An den Grenzen des Körpers. - Dextromethorphan hebelt eine dunkle Euphorie entfaltend das Ichgefühl aus und lässt das Dahinterliegende bewusst werden, und ohne greifbare Vergangenheit und glaubwürdiger Zukunft versteift man sich derart in die Gegenwart, dass man sich an die absoluten Grenzen des Körpers gedrängt fühlt. Es ist erschreckend unmöglich zu verstehen, wie man sich jemals sicher und stabil fühlen konnte. Es ist als habe man das Leben in der gewohnten Umgebung unterbrochen und sitze allein und unerreichbar im hohen Gestrüpp am Fluß - kein Traum könnte jemals so intensiv sein. Wenn man noch etwas denken kann, dann dies: wie absurd unglaublich ist es doch, zu existieren. Eine höllische Angst macht sich breit, in der alle Sinnhaftigkeit ertrinken muss. Nichts ist mehr selbstverständlich. Mit bestimmten Substanzen das Leben derart vertiefen, erscheint als ein wundersames Kapitalverbrechen. Das gefährliche Abenteuer einer ultimativen Grenzüberschreitung. Ein Geschenk aus der Hölle des absoluten (von einem Ego ungetrübten) Bewusstseins.