In meinem ersten manischen Anfall dieses Jahr verschütte ich in ekstatischen Zuckungen die Idee einer Doppelpartei-Gründung. Eine manische/psychedelische und eine nihilistische/depressive Partei, verbunden als Stachelschwein-Union. Immer wenn man nüchtern ist, arbeitet man gegen die psychedelische Gegenseite und andersrum. Es ist ein therapeutisches, bürokratisches Spiel auf Staatskosten. Jeder kann mitmachen und doch passiert nichts. Wir spielen mit uns selbst und können dabei unserer Laune freien lauf lassen, weil wir ja immer automatisch in der einen oder anderen Partei sind. In meinen Träumen würde ich jetzt ganz viel Likes bekommen.... Wir spielen mit uns selbst... versteht ihr? Wir haben eine Parallelwelt....
Wir transportieren den Ort der Partei ins Internet und man sieht an den Avataren, wer wer ist. Es muss aber offiziell sein, damit wir Gelder bekommen.... Endlich gibt es keinen Grund mehr zu schlafen....°%°"°% Das Gute ist, man darf auch so tun, als wäre man in der einen Phase, obwohl man in der anderen Phase ist. Man muss nicht ehrlich sein.
Die Partei hat zum Ziel, die persönliche und politische Ambivalenz auszuhalten. Die Partei ist eine postmoderne Partei: sie kommt ohne Überzeugungen aus, sie hat keine allzeitstabilen Personen. Es muss möglich sein, sich widersprechende Ansichten zu haben und paradoxe Ziele zu verfolgen. Eine gute Partei hat Nutzen für depressives und manisches Potential. Im Grunde ein institutionelles Selbstgespräch, analog zur Hirnstruktur: die rationale und kreative Hälfte. Ein ganz neuer Gesellschaftsansatz. Die Aufspaltung des Lebens. Der Dialog des Gegensätzlichen. Die Partei fordert das Recht, sich von sich selbst zu distanzieren. Sie versteht sich als ein Institut für Dissoziation und leuchtet die ganze Nacht. Die Partei rührt aus allem Schönen und einigem Fragwürdigen ein neues Menschenbild zusammen.
Die Entwicklung einer psychedelischen Gegenkultur. Wenn die unsägliche Prohibition abgeschafft ist, muss es eine Partei geben, die psychedelische Interessen vertritt. Ein Angriff auf Persönlichkeitskult, Ichwahn und Depression. - Das ist ein gattungsübergreifendes Unterfangen und untersteht nur den Gesetzen der Ekstase bzw. der Skepsis. Rausch oder Enthaltung - beides bitte!!
Wenn Gras legal ist, muss man sich selbst verklagen dürfen. Das wird die nullte Forderung, gleich in der Mitte des Manifests.
Wenn man sich fragt, ob es eine Manie mit kreativem Potential ist oder nur eine irrationale Manie, muss man vorsichtig sein, denn hier entscheidet sich die Antwort.
Ich möchte mich beruhigen. Erstmal an nichts mehr denken. Vieles was ich bisher nur erahnte, erfüllt sich, es ist so als würde ich beginnen das Leben, was ich mir erträume, umzusetzen. Coffeinüberdosis und Cannabisüberdosis vertragen sich sehr gut. Jedes Tief ist als Folge gerechtfertigt. Ich muss die Manie weiter zu einer Partei ausbauen. Jede Krankheit verdient eine Institution. Sonst gäbe es keine Kirchen, keinen Neoliberalismus, keinen Antisemitismus, keinen Staat. Warum nicht auch eine Manie, einen Rausch, eine Liebe, einen überschäumenden Humanismus in eine amorphe, kreative, surreale Partei übertragen und aufblühen lassen und für alle Zeiten ihr all unsere Ehren und Wertschätzungen und Ängste zukommen lassen. Es ist eine rationale Partei des Irrationalen, die sich psychedelisch transzendiert.
Alle in einer WG müssen das selbe Shampoo benutzen. Olfaktorische Einheit verdichtet das gemeinsame Schicksal.
Jeder ist sensibel, jeder ist kreativ. Bipolarität ist die Antwort auf alles. Jedes Detail ist wichtig. Jeder gehört dazu: als Freund, als Feind, als gleichgültiger, schwarzer, weicher Gegenstand. Ständige Interaktion. Die Manie ist das Ruhekissen für die Depression. Die Depression ist das Ruhekissen für die Manie.
Man kann nur verhindern wahninnig zu werden, wenn man das Wechselbad der Extreme nicht verlässt. Dafür sind diplomatische Beziehungen nötig: Kunst und Ästhetik liefert dafür den besten Rahmen, denn bürgerliche Ideale und Moral engen den Kopf und den Körper ein.
Wohliges Zittern in Verwirrung, laute Musik (Steve Reich), großes Bedürfnis nach Sauberkeit. Ich möchte dass mein Kopf nach Vanille und Honig riecht.
Ich möchte meine Freunde hier haben, ich möchte dass wir unser Fieber kuschelig verpacken und etwas Monolithisches errichten: ein riesiger, glatter, wohlgeformter Obelisk: schwarz wie Rabenaugen und unberührbar; - die Partei ist letztlich nur der Apparat, um dieses schwarzen Dings anzubeten. Die Partei muss raus aus meinem Kopf in die Zivilgesellschaft, sonst macht mich dieser potentielle Monolith irgendwann wahnsinnig.
Die Partei ist eigentlich nur ein Kunstwerk, das alternative Denkweisen institutionalisiert. Sie funktioniert in der Theorie als auch in der realpolitischen Praxis. Sie funktioniert als Groteske und als wirksame Opposition und in Koalition. Stachelschweine organisieren sich. Das ist das best-case-Szenario: ich werde verrückt, aber bleibe kreativ und mit der Welt verbunden. Manie ist ein Wahnsinn mit positivem, kreativen, schöpferischen Potential. Ich bin aufgeladen mit einer ungeheuren Energie. Ich muss erstmal bremsen und was essen und erstmal nicht weiter in meiner Schicksalsmaschine sitzen, mich ausklinken, sonst dreh ich noch über.