Wie ernst kannst du den Gras-Rausch nehmen? Das Papier wirkt nass, dabei ist nur die Luft feucht. Kann ich mich nochmal wie vorhin in die Angst reinsteigern, niemals mehr normal reden zu können? "Du wirst nie mehr richtig reden können!" (Diesen Satz mehrmals lesend, laufe ich durch den schönen, grauen Park, in dem es eben noch geregnet hat, aber er zündet nicht mehr, weil ich nicht weiß, wie ich ihn genau formulieren soll. Als ich das, was er ausdrückt, nur gefühlt habe, war ich überzeugter. Jetzt, wo ich ihn ausformulieren will, versackt der Inhalt in eine peinliche Banalität. Ich komm mir so alt und schwerfällig vor.) Nun renn doch nicht gleich weg, man kann doch über alles reden. Ich stehe mitten auf der Wiese und schreibe in mein Notizbuch. Jetzt kommen Leute und ich ziehe mit dem Zelt meiner Existenz an einen ruhigeren Ort. - Niemals unter Bäume stellen, die Angst vor herabkleckernde Vogelkacke würde alles zerstören. Graukühl, entspannt verregnet stehe ich auf der Wiese im Park. Hat sich gerade ein Polizist hinter einem Gebüsch versteckt? Und wenn ja, hat er es auf mich abgesehen oder bin ich nur ein Komparse für den sich keiner interessiert? Ich weiß genau, was meine Aufgabe als Schriftsteller ist, doch blicke ich mich um, hustet mich fragend die Stadt an. - Ich bin schon wieder umgezogen, weil ein Mann mit Hund gekommen ist. - Ich drehe mich nochmal zu ihm um. Er sieht, wie ich mich umdrehe und schreibe, hoffentlich kommt er nicht zu mir und will lesen, was ich schreibe. - Ich gebe mir in Gedanken eine saftige Ohrfeige und kümmere mich um das, was ich schreiben wollte, bevor der Typ aufgekreuzt ist. Plötzlich tauchen weitere Hundebesitzer auf und ich verstecke mich blöderweise unter einem Baum, der sich nur ein paar Meter neben ihnen befindet. Es ist kein Versteck, ich fühle mich nur sicher hier, angelehnt an diesen starken, warmen Baum, wie in meinem Zimmer. Oh Gott, ich steh immer noch bei ihnen und schau sie auch noch an und schreibe diesen verfluchten Satz, als wäre ich am Rand meines Lebens angekommen. Glücklicherweise würde niemand auf den Gedanken kommen, dass ich vom Ordnungsamt bin oder ein Spitzel oder sowas, denn ich trage eine kaputte, rote Hose und eine kaputte, schwarze Lederjacke, meine Haare sind so fettig, dass ich
sterben würde, wenn mich jemand fotografierte und den ein oder anderen Punker- Button sehe ich auch. Und was, wenn die Leute trotzdem oder gerade deshalb sehen wollen, was ich gerade schreibe? Ich glaube nicht, dass ich jetzt ertragen könnte, dass die Leute verblüfft wären, dass ich gerade wie ein schwerfälliges Tier diesen Satz mit den drei nervigen "dass" und den zwei extrem nervigen "dass" schreibe. Ich glaube, die Gesichter, die sie machen würden, brächten mich endgültig aus der Bahn. Deshalb bin ich froh, dass sie jetzt auch mal weitergehen und ich ebenso - zum Glück reiße ich mich zusammen und laufe nicht in die selbe Richtung wie sie.