Neujahrsmeditationen (Gesellschaftlicher Bruch)

Neujahrsmeditationen

Ich betrachte die Welt noch immer als das kleine Dorf, aus dem ich komme. In meinen Träumen sind alle Orte, an denen ich bisher gewohnt habe, ineinander verschmolzen. Meine alte Grundschule ist die Universität, an der all meine Freunde sind, und die Universität ist die Grundschule, an der wir immer noch Grundlegendes lernen, und alle lebenden und toten Berühmtheiten, die mir etwas bedeuten, sind in der einen großen Stadt nebenan. Am Schönsten sind die leichten Spaziergänge auf den flauschigen Wiesen, die unter sternklarmen Himmel wehen.

Ich möchte mich in die Welt einbringen, so wie schon jedes Kind eine Funktion in der Klasse haben will. Die Gesellschaft ist für mich nicht mehr als diese große, unübersichtliche Schule. Seit ich zu Weihnachten mit meinen Eltern durch meine alte Heimat gefahren bin, die ich seit Jahren nicht gesehen habe, fühle ich mich viel integrierter in die Welt. Das ist immer noch die selbe, alte Welt und ich bin der gleiche Mensch, der ich in meiner Kindheit war, ich stecke in der selben Geschichte. Ich vermisse die Abenteuer mit meinen Freunden, das Ausreizen von Grenzen, das Tunnelgraben, das Nächtedurchmachen, die gemütliche Ungewissheit der Zukunft. Keiner meiner Freunde ist auf dem Weg hier her und wie ein weißer Adler ohne Augen will mein Vorsatz auffliegen, dieses Jahr konsequenter daran zu arbeiten, in den Kulturbetrieb zu kommen, so wie ich früher als Klassenclown Anschluss an Leute gefunden habe, die ich nicht leiden konnte und dann als Songwriter und Autor Anschluss an Leute gefunden habe, die in der Schule keiner leiden konnte.