Neujahrsmeditationen (Verwandlung)

Neujahrsmeditationen

"The Soft Parade"; das Lied zum Jahreswechsel; tanzend vor der schwarzen Schlafzimmerwand, verliere ich jede Lust, mein Leben mit Tatsachen zu vermasseln; vielleicht werde ich mich bald derart entspannen, dass ich nie mehr Gründe finde, mich zu einer Karriere aufzuraffen. Auch ein meditatives Leben muss möglich sein, auch ein Leben, das man aus den Augen verloren hat, muss möglich sein. Ich stell mir vor, wie mich jemand fragt, welche Signale ich senden will. "Kunst rührt hoffnungslosen Menschenbrei um, damit nichts anbrennt.", höre ich mich mit einer Koffeinkoffeinkoffein-Stimme behaupten, die nicht verrät, wie genau ich das meine, während du auf einer gepolsterten, neonrotschimmernden Kellerparty versuchst, dich von lupenreinem Electroswing anstecken zu lassen, aber es klappt nicht, irgendwas zieht dich zurück und genau das ist deine Chance! Du bist zwischen allem: du bist keiner der Leute hier im Raum, du denkst keinen Gedanken, der hier gedacht wird, du läufst auf etwas ganz Anderes hinaus.

Ich liebe Leute, deren Lächeln mich fragt: "Wollen wir unsere Überempfindlichkeit in einen Topf werfen?" David Byrne setzt meiner Hoffnung, solche Leute zu finden, ein schönes Denkmal, das niemand sehen wird. - Ich habe seit über eine Woche die selben Klamotten an und eben fällt mir auf, dass mein T-Shirt verkehrt herum ist. An meinem Gesicht, das ich dabei mache, kann man meine politische Haltung ablesen.

Die Distanz zwischen mir und meinem Leben verschwindet, wenn ich nichts tue, außer wie Kaugummi den Gedanken kaue, dass dieses Nichtstun die Distanz zwischen mir und meinem Leben verschwinden lässt. - Ich hab noch keine Lust jemanden zu treffen, ich möchte mich noch ein bisschen allein in diesem Jahr umschauen. - Ich schreibe nur die Gedanken auf, die ich nicht genießen kann (und vielleicht sogar missverstehe), wenn ich sie für mich behalten würde.

Mit der Plötzlichkeit eines Autounfalls erinnere ich mich daran, wie sehr ich mich, während meine Empfindlichkeit und Kreativität ab der neunten Klasse deutlich zunahm, von meinen Eltern zurückgewiesen fühlte und ein Interview mit Lubomir Melnik, einem träumerischen Schamanen, der am Klavier mit seiner "kontinuierlichen Musik" mit dem Ur-Einen, Ur-Reinen in Verbindung treten will, erscheint mir folgerichtig ungemein tröstlich.