Eingang (Schreib-Transformation)

Eingang

Einmal bin ich komplett in Heulen ausgebrochen, als mir ein Lied, das mir früher sehr gefiel, das Gefühl gab, immer noch das kleine, überempfindliche, orientierungslose Kind zu sein, das ich mal gewesen bin und irgendwann ist das Leben einfach vorbei und kommt nie wieder. Intellektuell kann man das leicht und gelassen erfassen, aber wenn es auch das Herz versteht, will es den ganzen Körper niederdrücken. In den nächsten Wochen habe ich ab und an mit Miles gekifft, fand aber heraus, dass es mir alleine mehr Spaß macht, denn dann muss ich nicht aufpassen, dass ich keine Dinge sage oder tu, die mir später peinlich sein könnten. Außerdem ist der Rausch intensiver, nachhaltiger und konstruktiver, wenn ich dabei schreibe und schreiben kann ich nur, wenn niemand im Raum ist. Ich war anfangs sehr skeptisch, denn ich konnte nie das Klischee, dass Alkohol die Seele öffnet und die Kreativität anregt, bestätigen: noch nie habe ich betrunken etwas Interessantes von mir gegeben. Es zeigte sich jedoch, dass Cannabis die Art und Weise, wie ich über mich und meine Arbeit und die Welt nachdenke, langsam verändert: dieses Buch versammelt die mir wichtigsten Texte, die ich in den Jahren 2014 bis 2016 geschrieben habe: in dieser Zeit habe ich mich von einem schlaflosen Menschenhasser ohne Zukunft in einen experimentellen Liedermacher mit sozialistischen Hoffnungen verwandelt.

Ich verdanke der Pflanze eine Menge und ich hoffe, dass Anbau, Besitz und Verkauf bald wieder legal sind. Die folgenden Aufzeichnungen verstehen sich nicht zuletzt als Beitrag zur Legalisierungsdebatte, den ich in einem Satz zusammenfassen kann: ich wünsche mir eine selbstbewusste, vielfältige, genießerische und gemütliche Cannabiskultur - als Antwort auf die Verdrießlichung Europas, die selbst nur eine Antwort auf den Irrsinn der Weltgeschichte ist.