Über viele glückliche Umstände, die direkt oder indirekt mit Gras zusammen-hängen, fand ich neue Freunde, neue Musik, eine neue Freundlichkeit in mir, die die Grundlage meiner Dreißiger Jahre bilden soll. Erfurt sollte nicht mehr mein Gesicht, meine Sprache, meine Liebesfähigkeit beeinflussen.
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Frei wollte ich werden und frei wurde ich. Ich will mir gar nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn ich statt Hanf Bier für mich entdeckt hätte.
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Für mich waren diese psychedelischen Jahre enorm lustvoll und erkenntnisreich und brachten mir viele neue Songs und Küsschen.
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Der Zauber der ersten paar Jahre ist nun verblasst; das Gras ist mein täglicher Begleiter, nach wie vor ein freundlicher, aber die Faszination ist nicht mehr da. Ich fühle mich ein wenig reifer, wenn ich die Aufzeichnungen von damals wieder lese und vermisse nun ein wenig dieses abenteuerliche Gefühl, ein neues Werkzeug entdeckt zu haben oder einen neuen Raum in der Wohnung, in der man seit dreißig Jahren wohnt. Heute ist Gras eine nette Routine, die mich bisschen polstert gegen die grellen, grauen Feindseligkeiten außerhalb meines Zimmers. Schon allein weil diese Droge theoretisch jeden Menschen freundlicher, verpeilter, skeptischer, kindlicher machen kann (nicht in jedem Setting natürlich), sollten wir optimistisch sein: wir dürfen nicht die emanzipatorischen, antifaschistischen, antikapitalistischen Effekte des Graskonsums auf Wahlberechtigte unterschätzen.
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Mir hat Cannabis gut getan, mich erweitert und heiterer gemacht, warum sollte unserem grauen Ostdeutschland nicht auch ein bisschen Kräuterrauch gut tun?
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Ostdeutschland ist ein Wort, ein Zustand, ein Gefühl, eine Region, eine Idee. Wie ernst wollen wir welche Ideen nehmen? Diese Frage stellt sich unter dem Einfluss von Cannabis ganz neu. Und wir sind dazu aufgerufen, neu zu antworten.